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Neben dieſen längeren Unterbrechungen fehlte es nicht an Verhinderungen der Kollegen auf kürzere Zeit, ſo daß es bisweilen kaum möglich war, überall den Ausfall in geeigneter Weiſe zu decken. Für Herrn Mauß ward als interimiſtiſcher Geſanglehrer Herr Bautz, für den naturgeſchichtlichen Unterricht des Herrn Schultze in der Mädchenſchule Herr Prediger Wolff, für die Handarbeitsſtunden der Frl. Hoffmann Frau Nöllner, als Vikar in Elementar⸗ und unteren Klaſſen Herr Schulamts⸗ Kandidat Fehl herangezogen. Den Herrn Kollegen, welche der Schule in ſolchem Nothſtande Hilfe leiſteten, ſage ich freundlichen Dank.
Aus der Mitte unſerer Schüler und Schülerinnen wurden im Laufe des vorigen Schul⸗ jahres durch den Tod nach Gottes Willen abgerufen: Eliſe Frölich und Auguſte Thomaß(Kl. II); Auguſte Zinkand(Kl. III); Eliſe Philgus(Kl. IV); Luiſe Rahlf und Marie Regner(Kl. VI). Unſere herzliche Theilnahme war und iſt bei den von ſo ſchwerer Prüfung heimgeſuchten Familien.
Was das Verhalten unſrer Schüler anbelangt, ſo dürfen wir uns immerhin freuen, mit ſchwerſten und ſchwereren Aergerniſſen verſchont geblieben zu ſein. Selbſtverſtändlich blieb und bleibt manches unerfreuliche und ſelbſt Beſorgnis Erregende nicht erſpart, ſo daß auch die uns zu Gebote ſtehenden Strafmittel häufige Anwendung fanden. Der häusliche Fleiß namentlich ließ bei vielen noch ſehr zu wünſchen übrig; auch die oft beklagte Unpünktlichkeit und Unregelmäßigkeit des Schul⸗ beſuchs iſt noch nicht völlig geſchwunden.
Die abermalige Frequenzzunahme nöthigte Oſtern 1868, die auf über 50 Schüler ange⸗ wachſene II. Klaſſe in zwei, allerdings ungleiche Coetus zu zerlegen. Dies möglich zu machen und zugleich einige durch anderweite perſönliche Verhältniſſe bedingte Schwierigkeiten zu beſeitigen, wurden die Herren Dr. Auguſt Fritſch und Dr. Moritz Simon proviſoriſch für die Schule gewonnen, beide vornehmlich für das Gebiet des neuſprachlichen Unterrichts, auf welchem, abgeſehen von der durch die abermalige Paralleliſierung verurſachten Vergrößerung des Bedarfs, Herr Dr. Ulbrich erſetzt werden mußte. Von dieſen beiden Kollegen iſt Herr Dr. Aug. Fritſch geboren zu Friedberg in Oberheſſen den 24. Juni 1837; er beſuchte das Gymnaſium in Gießen, ſtudierte in Gießen und Würzburg, unterwarf ſich der heſſiſchen Prüfung für das Gymnaſiallehramt, war Acceſſiſt am Gymnaſium zu Darmſtadt und lebte dann 1862— 1865 in Italien, als Lehrer an der Generalſtabsſchule in Paris von 1865— 1868.— Herr Dr. Simon, geboren zu Frankfurt am Main den 6. Dezember 1840, beſuchte und abſolvierte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, ſtudierte in Heidelberg und Bonn, hielt ſich dann zum Zweck wiſſenſchaftlicher und praktiſcher Sprachſtudien eine Zeit lang in Paris auf und promovierte 1867 in Bonn. Im Herbſte 1868 hat er vor der wiſſeſchaftlichen Prüfungs⸗ kommiſſion in Bonn die Prüfung für das höhere Schulamt beſtanden. Außerdem verblieb Herr Dr. Haſſel in ſeiner Stellung als außerordentlicher Lehrer, im vorigen Schuljahre als Lehrer an der Mädchenſchule, ſpeziell als Klaſſenlehrer der III. Klaſſe verwendet.
Das Schulfeſt, welches die hieſigen Schulen nach alter Sitte jährlich unter dem Namen des Maifeſtes begehen, feierten wir im vorigen Jahre ſchon am 8. Mai. Wie in den letzten Jahren, benutzten auch dieſesmal die unteren Knabenklaſſen dieſen Tag zu Ausflügen in den Wald, während die oberen Klaſſen den Taunus, die Bergſtraße, den Hahnenkamm zum Ziele ihrer Wanderungen machten. Die Mädchenklaſſen— V verbrachten nach angemeſſener Morgenwanderung den Mittag
und Nachmittag auf dem Forſthauſe. Höhere Bürgerſchule. 5


