Aufsatz 
Die Schule und die Familie
Entstehung
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Die Schule und die Tamilie.

Das Thema, welches ich für unſer diesjähriges Oſterprogramm gewählt habe, kann keinen Anſpruch mit geringerem Rechte erheben als den auf Neuheit. Im Gegentheil, es iſt ſo alt und ſo vielbeſprochen, daß es kaum irgend eine Schule in Deutſchland geben mag, deren Programme nicht einmal wenigſtens die obige Ueberſchrift oder eine ähnliche aufwieſen. So wird auch auf das andere Verdienſt von vornherein verzichtet werden müſſen, dem vielbehandelten Gegenſtande weſentlich neue Geſichtspunkte und Seiten abgewonnen zu haben.

Und dennoch eine ſolche Wahl? Eine Wahl, die den ohnehin ſo beſcheidenen Leſerkreis der Schulſchriften noch zu lichten droht? Ein Wort der Rechtfertigung iſt wohl erlaubt.

Auf die ſehr verſchiedenen Anſichten über die Schulprogramme, ihre Bedeutung und zweck⸗ mäßige Einrichtung näher einzugehen, das würde jedenfalls viel zu weit gehen. Bekanntlich betrifft dieſe Differenz der Anſichten weit weniger den zweiten die ſogenannten Schulnachrichten enthaltenden Theil als vielmehr die an die Spitze der Einladungsſchrift geſtellte Abhandlung. Wenn, wie es ſcheint, Recht ſowohl diejenigen haben, welche der Programmabhandlung einen wiſſenſchaftlichen Charakter erhalten wollen und in ihr den Ausdruck der Wiſeenſchaftlichkeit des Lehrerkollegiums er⸗ blicken, als auch die anderen, welche das pädagogiſche Moment der Schulſchrift betonen und ſomit der Beſprechung ſolcher Fragen den Vorzug geben, welche Lehre und Erziehung betreffen: ſo ergibt ſich wohl leicht als der richtige der vermittelnde Weg, welcher in angemeſſener Abwechslung beide große Gebiete zu der ihnen gebührenden Geltung kommen läßt. Dabei mag denn auch der Charakter der einzelnen Schule beſtimmenden Einfluß üben dürfen, nicht bloß darin, daß die ſpeziell wiſſen⸗ ſchaftliche Sphäre und Tendenz der Schule ſich auch in der Auswahl der Programmthemen darſtellt, ſondern auch in der Bevorzugung praktiſch⸗pädagogiſcher, die Berührungspunkte der Schule mit dem Leben erfaſſender Fragen an Schulen, welche zwar mit Hilfe der Wiſſenſchaft, aber weniger für die⸗ ſelbe im engeren Sinne als für das Leben arbeiten.

Damit wäre nun wohl die Wahl eines pädagogiſchen Themas für die nachfolgenden Blätter gerechtfertigt, vielleicht aber nicht das gewählte Thema ſelbſt.Familie und Schule, dieſes alte und abgenutzte Kapitel von dem nothwendigen Einklange und Handinhandgehen beider, das könnte nun wohl auf die Klauſurarbeiten von Schulamtskandidaten eingeſchränkt bleiben? Nun, was mich zu dieſer Wahl beſtimmt und mich nicht vor dem Wagnis zurückſchrecken läßt, vieles oft Geſagte noch