Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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Zur Lage des AUnterrichts- und Erziehungsweſens.

Jedem, der einen Beruf mit Neigung ergriffen und damit ſeinem Leben einen würdigen Inhalt gegeben, eine poſitive Aufgabe geſtellt hat, iſt es wohl innerſtes Bedürfnis, mitunter Halt zu machen auf ſeinem Wege, um dem Wan⸗ derer gleich, der von der erſtiegenen Höhe des Berges zurück⸗ blickt auf die durchmeſſenen Bahnen und vorwärts ſchaut auf die weiter führenden Pfade, mit ſich zu Rathe zu gehen über das, was er erſtrebt und erreicht, wie weit er ſeine Aufgabe, wenn nicht gelöſt, ſo doch ihrer Löſung näher ge⸗ bracht habe. Einer ſolchen Umſchau iſt das Berufsleben des Schulmannes einerſeits beſonders bedürftig, anderſeits auch vorzugsweiſe günſtig, indem es in ſeiner äußeren Ordnung größere Haltpunkte darbietet. Das gilt vor allem von der Zeit, da ein Schuljahr abſchließt, Lehrer und Schüler in den öffentlichen Prüfungen aus der ſonſt üblichen Stille ihres Wirkens und Arbeitens heraustreten und dann, nach kurzer Ausruhe, ſich wieder aufmachen zu neuem Lehr⸗ und Wanderjahre. Da drängt alles auf eine ſolche innere Selbſt⸗ ſchau hin; ja ſelbſt der, welcher ſich dann und wann ge⸗ dankenlos von der Flut des Lebens dahin tragen läßt, er wird ſich den auf ihn eindringenden Fragen und zueiſel ſchwerlich ganz zu entziehen vermögen.

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