Aufsatz 
Kritische und erklärende Bemerkungen zu Sophokles' Aias / R. Paehler
Entstehung
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Kritische und erklärende Bemerkungen zu Sophokles Kias.

Vers 650 ff.

Im Schulprogramm des Jahres 1885 wurde von mir unter dem TitelDie Löschung des Stahles bei den Alten eine Abhandlung veröffentlicht, welche in der philologischen Fachlitteratur der Gegenstand lebhafter Erörterungen geworden ist. Ich habe in dem Aufsatze die Stellen der alten Schriftsteller, in denen die Löschung des Stahles in Betracht kommt, gesammelt und ausgelegt, auch die Nachrichten, die sie uns bieten, auf ihre sachliche Richtigkeit geprüft. Den Ausgangspunkt meiner Untersuchungen bildeten die Verse der Sophokleischen Tragödie Alac, in denen der Held, nachdem er vorher die Absicht zu sterben erklärt hat, nunmehr zu verstehen giebt, daſs er durch die Bitten seines Weibes umgestimmt und dem Leben wiedergewonnen sei. Die Worte lauten nach der von den Handschriften überlieferten Lesart(Vers 650 ff.):

* 4 1 7.5 2 1 2⁶ 7⁶, τν Jeiνν εεαςρᷣαον röts, 4 4 8 i ⁵νροεσ ς ενηνννινυην οσmσσσνμσ rος απσαε ςα υναάσsς.

Meine Ausführungen haben den Beweis erbracht, dafs alle bisherigen Versuche den Sinn des Satzes und namentlich des in 8ο†ρρ⁵ σοονποοοσ ς liegenden Vergleiches zu deuten unhaltbar sind, weil sie entweder aus inneren Gründen verworfen werden müssen oder mit den Thatsachen der Technik, den sonstigen Zeugnissen der Klassiker und feststehendem Sprachgebrauche nicht übereinstimmen. Daher habe ich die Lesart 3w† als unmöglich bezeichnet und die Vermutung ausgesprochen, der Dichter habe 8aνν geschrieben. Hiernach ist der Gedanke:Ich, der ich vorhin in so starrer Weise mich hart zeigte, bin durch meines Weibes Zusprache weich geworden, wie Eisen im Feuer(eigentlich: durch den Glühofen). Mit beabsichtigter Zweideutigkeit schränkt Aias diese Erklärung sofort durch den Zusatz ruνα wieder ein, indem er uns so verrät, daſs nur seine Rede weich geworden ist, während sein Sinn hart plieb.

Von manchen Seiten ist meinen Darlegungen freundliche Zustimmung zu teil geworden, so z. B. von einem Rezensenten im Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst 1885 Sp. 59 f., in der N. Philol. Rundschau 1886 S. 235, von Prof. Günther in Bursian-Müllers Jahres- berichten 1887 III S. 109 f. und von Widmann in der Zeitschrift Gymnasium 1889 S. 858. Dagegen ist von anderen Beurteilern Widerspruch erhoben oder wenigstens keine volle Billigung aus- gesprochen worden. Insbesondere hat Prof. Blümner in seiner Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern IV S. 348 f. und in Fleckeisens Jahrbüchern für klass. Philologie 1886 S. 676678 zwar eingeräumt, daſs die negativen Resultate meiner

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