Aufsatz 
Schiller, der Liebling der Jugend. Rede, bei der Schillerfeier ... 1859 gehalten
Entstehung
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Mögen wir uns daher immer Glück wünſchen, daß wir im ſtaatsbürgerlichen Leben geſondert unſern Weg gehen können; vergeſſen wir aber deßhalb nicht, daß die Wurzel des beſondern ſchweizeriſchen Volksgeiſtes und der ihm eigen⸗ thümlichen Vorzüge und Tugenden der urdeutſche Nationalgeiſt iſt und daß dieſer ſich nicht ſo leicht vernichten läßt wie eine Staatsform. Er wird nicht ſterben, ſo lange noch ein deutſches Volk beſteht, und wenn er auch für jetzt ſich im ſtaats⸗ bürgerlichen Leben der Deutſchen nicht ſo rein und ſegensreich bethätigt, wie bei uns: er lebt auch jetzt noch und tritt offen hervor in der deutſchen Literatur, insbeſondere in der deutſchen Nationalpoeſie. Und dieſe iſt auch die unſere; denn die Sprache, in der ſie lebt, iſt die unſere. In der Sprache aber prägt ſich der nationale Geiſt am reinſten und treueſten aus. Geiſt und Sprache ſind unzertrennlich, ſind nur verſchiedene Formen deſſelben Weſens. Unſere Literatur kann darum nur innerhalb der allgemeinen deutſchen beſtehen; ſie iſt nur einer der Aeſte, welche aus dem gemeinſamen deutſchen Stamme hervorſproſſen. Eine ſchweizeriſche Na⸗ tionalliteratur außerhalb der deutſchen, ihr gegen⸗ über verſelbſtſtändigt, iſt ein Wahngeſpinnſt.

Heilig ſei uns darum das geiſtige Band, welches die Schweiz mit Deutſchland verbindet; es läßt ſich nicht zerreißen, ſo lange deutſcher Geiſt und Schweizergeiſt beſteht. Und in dieſem Sinne wenigſtens dürfen und ſollen wir ſtetsfort auch