Aufsatz 
Schiller, der Liebling der Jugend. Rede, bei der Schillerfeier ... 1859 gehalten
Entstehung
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iſt vorwaltend Idealpoeſie in dem beſtimm⸗ tern und engern Sinne, in welchem ſie meiſt einen auffallenden Gegenſatze zu der Poeſie Göthe's bildet. Schiller ſchöpfte den Inhalt ſeiner Dich⸗ tungen nicht, wie Göthe, zunächſt aus der nn mittelbaren Wirklichkeit des Lebens, ſondern aus ſeiner eigenen geiſtigen Welt; er gab ſich nicht, wie Göthe, zuerſt den Eindrücken ſeiner Erlebniſſe mit ungetheilter Seele hin, verhielt ſich gegen ſie nicht ſuchend und empfangend, ſondern trug ihr den fertigen Inhalt ſeines Geiſtes, ſeine vorzugs⸗ weiſe auf dem Wege des reinen Denkens ge⸗ wonnenen ſittlichen Ideen entgegen und legte ſie hinein, ein Verfahren, in welchem ſich wiederum das ſeinem ganzen Weſen und Leben eigene kräf⸗ tige Streben kundgibt, Alles nur durch ſich ſelbſt zu ſein und zu thun und ſeinen Werth ſich ſelbſt zu erſchaffen. Nicht als ob Göthe nicht auch ſittliche Ideen darſtellte; aber er ſtellte bei ſeiner vorwaltenden Richtung auf die einzelnen Erſchei⸗ nungen das darin enthaltene Allgemeine nicht ſo unmittelbar, ſo klar und beſtimmt dar, er ließ es oft nur im fernen Hintergrunde durchdämmern, wo es nur von dem Blicke des geübten Denkers erkannt wird. Es iſt aber nicht ſowohl dieſer letzte Punkt, die leichtere und ſicherere Erkenntniß des Allgemeinen, des Grundgedankens ſeiner Dich⸗ tungen, um deſſentwillen die Jugend ſich lieber an Schiller als an Göthe anſchließt; nicht Be⸗ quemlichkeit iſt es denn die fände wohl eher ihre Rechnung bei der Hingabe an das Einzelne, welches geiſtig aufſtrebenden Jünglingen eben keine