Aufsatz 
Schiller, der Liebling der Jugend. Rede, bei der Schillerfeier ... 1859 gehalten
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2.

Feier bildenden muſikaliſchen und deklamatoriſchen Vorträge beanſpruchen unſere Schüler nicht etwa die Anerkennung künſtleriſchen Werthes: ſie wol⸗ len nur Zeugniß ablegen, daß die Dichtungen Schillers auch ihr Gemüth mit liebevoller Be⸗ geiſterung und dankbarer Verehrung erfüllt haben. Und dieſem, dem vollen Herzen entquellenden Drange nicht nur freien Lauf zu laſſen, ſondern auch nach Kräften ſeiner Aeußerung förderlich zu ſein, hat die Schule ihrerſeits für eine Pflicht erachtet.

Mag immerhin die heute feiernde Jugend mehr oder minder weit entfernt ſein von einem vollſtändigen und tiefern Verſtändniſſe des Mannes, welcher den höchſten Ideen, zu denen ſeine Zeit ſich aufzuſchwingen vermochte, den vollſtändigſten und beziehungsweiſe vollkommen⸗ ſten Ausdruck, dem beſten Gehalte der dama⸗ ligen Wiſſenſchaft und Sittlichkeit die Weihe der Schönheit gegeben: die Schule erkennt in dem lebhaften und innigen Gefühl, welches ſie zu dieſer Feier angetrieben hat, einen fruchtbaren und ſichern Boden, aus welchem mit der Zeit das zum höchſten und vollſten Genuß erforderliche Verſtändniß, und, was mehr iſt als dies, eine hohe und edle Geſinnung, ein von den Ideen des Wahren und Guten erfüllter männlicher Charakter als reife Frucht hervorwachſen wird. Sie erkennt in der von gewiſſenhaften Lehrern geleiteten Beſchäftigung der Jugend mit Schiller, zunächſt mit Schiller'ſchen Dichtungen, ein un⸗ gemein wirkſames Bildungsmittel für Geiſt und