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Fügung zum Kampfe für das Kreuz bestimmt. Fiovo, ein Sohn Constantins, flieht nach Frankreich, unterwirft und bekehrt von dort aus die Deutschen und rettet dann Rom vor der andrängenden Heidenschaft. Buovo d' Antona, der aus einer Seitenlinie des auf Fiovo zurückgehenden Geschlechtes stammt, gründet am adriatischen Meer ein christliches Fürstenhaus und erobert Croatien. Dalmatien und Slavonien. Auch Ungarn wird erobert und gehorcht nun demselben Fürstenhause.
Eine Aenderung dieses Zustandes französischer Vorherrschaft schien sich anzubah- nen, als Gregor XI i. J. 1377 nach Rom, dem alten Sitz der Päpste zurückkehrte. Doch als Gregor bereits im folgenden Jahre starb, da stellten 13 Kardinäle, darunter 12 Fran- zosen, seinem Nachfolger Urban VI in der Person Clemens VII einen Gegenpapst gegen- über, der seinen Sitz wieder in Avignon nahm. Damit war die Einheit der abendlän- dischen Kirche gesprengt. Da nun der Kaiser als Vogt der Kirche galt, so wäre es die Aufgabe Wenzels gewesen. nach Jtalien aufzubrechen, um die Kaiserkrone zu empfangen und dann als Kaiser die Einheit der Kirche wiederherzustellen. Dass Wenzel diesen Schritt nicht that, dass er umgekehrt i. J. 1398 mit dem Könige Karl VI von Frank- reich in Unterhandlungen sich einliess, darin offenbart sich die Schwäche seiner Person und seiner Politik. Damit hat er auch selbst zu seinem Sturze beigetragen. Wesshalb hörte er nicht auf die Stimme Urbans VI. der ihn i. J. 1382 daran erinnerte,„quatenus Gallica natio semper ad imperium suspiravit, universi orbis monarchiam vellent Gallici usurpare“? Wesshalb folgte er nicht dem Mahnruf:„Properet nunc nobilis Germania ad adiuvandam eius nobilem germanam, Jtaliam“—?
IJIch glaube, ich kann hier abbrechen. Wohl wurde die Einheit der Kirche wieder hergestellt und das Papsttum dem unmittelbaren Einfluss des französischen Hofes entzo- gen. Um so zäher hielten die Könige von Frankreich fest an der von Philipp dem Schö- nen ihnen vorgezeichneten Politik. Als Karl VIII i. J. 1494 im Begriff stand, nach Jtalien aufzubrechen. da erschien er im Ornate eines Kaisers mit den Symbolen der Weltherr- schaft. dem Reichsapfel und dem Reichsscepter, und liess sich vom Volke als Imperator be-
grüssen.— Der Mann aber der sich berufen glaubte, eine fast 1000 jährige Entwickelung zum glücklichen Abschluss zu bringen, das war der erste Napoleon.„Er wollte Meister
der Welt werden und eine Dynastie gründen, vor der alle anderen sich beugen müssten. Er war nicht König von Frankreich allein, wie Thiers sagt, sondern ging von der An- sicht aus, dass er der Nachfolger Karls d. Gr. sei“ ¹). In mehr als einer Hinsicht hat Napoleon sich Philipp den Schönen zum Vorbild genommen. Wiie einst Philipp seinen vertrauten Ratgeber Wilhelm von Nogaret mit dem Auftrag über die Alpen entsandt hatte, den greisen Bonifaz VIII nach Frankreich zu schleppen ²), so liess Napoleon i. J. 1809 Pius VII mit Gewalt aus Rom wegführen. Den deutschen Strom aber hat er thatsäch- lich, wie Dubois es dereinst nelhean hatte, zu Deutschlands Grenze gemacht. Und auch mit der Kaiserkrone hat er sich schmücken lassen, worauf dann bald der morsche Bau des hl. römischen Reiches deutscher Nation zusammenbrach.— Doch wie Napoleon der Erste den Zusammenbruch des alten. so hat sein Neffe, Napoleon der Dritte, die Errich- tung des neuen Reiches gefördert. Die Kaiserkrone, das Symbol deutscher Kraft und Einheit, strahlt heute wieder so herrlich wie in den Tagen der Staufen, und die Völker Europas, ja der ganzen Welt, sehen wieder mit Ehrfurcht und Bewunderung auf das mächtige deutsche Reich, das Wilhelm der Erste in der Mitte des Erdteils errichtet hat- als einen Hort des europäischen Friedens und der auf dem Christentum beruhenden abendländischen Cultur.
1) Ranke. Sämtl.-W.(Volksausg.) IV, 647. 2) Holtzmann, Wilhelm von Nogaret. Freiburg 1898. p. 215 ff.


