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Beiträge zur Lehre
Mit Recht hat man in neuer Zeit, nachdem die Sprachvergleichung durch Verglei- chung und Zurückführung der sprachlichen Formen auf die erste oder nachweislich ur- sprüngliche Gestalt derselben gewaltige Fortschritte gemacht hat, sich von neuem der Erforschung auch der syntaktischen Verhältnisse der ültesten Sprachdenkmuler zugewen- det. Denn die bis dahin geltenden, aus der abstrahirenden Methode überkommenen Ca- tegorien zeigten sich Angesichts der Resultate jener neuen Wissenschaft oftmals als nicht
mehr stichhaltig und mussten somit anderen Ausichten Platz machen, die auf dem Wege
historischer, genetischer Methode gewonnen waren.*) Es zeigte sich somit die grosse Be-
deutung, welche die Erkenntniss der sprachlichen Form für die richtige Auffassung der syntaktischen Verhältnisse darbot; doch muss sich daran die Nachweisung der weiteren Entwieklung anschliessen, wenn wir zum wahren Verständnisse derselben gelangen wollen; vor allem muss dabei der syntaktische Gebrauch der ältesten Zeit zu Grunde gelegt wer- den. Für griechische Sprache ist derselbe in ziemlich reichem Umfang bei Homer nie- dergelegt. Daher denn auch dessen Erforschung wiederholt der Gegenstand von Beob- achtungen geworden ist, welche zu höchst erfreulichen Resultaten gedichen sind. Wenn auch wir versuchen diesen Weg zu gehen, so geschieht dies weniger, weil wir glauben, es jenen Forschern gleichzuthun, als um ein Scherflein zur weitren Prüfung vorzulegen, und betrachten das Relativpronomen und die Relativsätze bei Homer.
I.
In der Bildung des Relativs sind die verschiednen Sprachen einen verschiednen Weg gegangen. Während einige dasselbe durch Vermittlung des Fragworts gewonnen haben, wie das lateinische qui, quæ, quod von quis, quid abzuleiten ist, das Deutsche sowohl durch indeclinable Partikeln, die an persönliche und demonstrative Wörter angehüngt werden, bis auf letztre allein die relative Kraft übertragen wird, als auch durch das Frag- wort— ein Gebrauch, der später eintrat— haben das Sanskrit und das Griechische be- sondere Relativa entwickelt, die sich, wie es scheint, wenigstens in dem Bereich dieser Sprachen von dem demonstrativen Pronomen streng gesondert haben: dort yas, ya, yat,
1) Es sei hier blos erwähnt die Lehre von den drei Casus des wo, woher, wohin, im Gegensatz zu der Fülle von Casusformen für auch andre Vexrhältnisse als die genannten in fast allen Sprachen, von denen auch in denjenigen, welche einen oder mehrere Casus einbüssten, doch noch Spuren nachzuweisen sind. Man wird danach nicht mehr behaupten wollen, dass blos drei Casus möglich oder nothwendig waren, da die Sprache ihre schöpferische Thätigkeit nicht auf das nothwendige einschränkte, sondern einen Reichthum von Formen hervorbrachte, die sich nicht streng nach a priori gewonnenen Categorien sondern lassen, ja
Doppelformen nicht scheute.— Vgl. auch in andrer Beziehung Curtius in d. Z. f. Sprachvergl. I. pag. 259. sqd.


