Aufsatz 
Die reduplicierten Präterita in den germanischen Sprachen / von Rich. Eduard Ottmann
Entstehung
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treusten bewahrt hat; sie bezeugt aber in hinsicht auf die frühzeitige trennung jenes sprachzweigs vom festländischen stamme und die misslichkeit der annahme, dass hier die endgültig verkürzten formen selbständig zum dasein gelangten, auch noch ausserdem, dass in einer periode, die wir wol nicht mit unrecht gemeinwestgermanisch nannten, neben den volleren wortgebilden die erleichterten formen bereits vorhanden waren und bei längerem nebeneinanderbestehen in dem masse häufiger wurden, wie jene in abnahme gerieten.

Wir gehen zum einzelnen über.

1. Wurzeln mit germ. a vor zweifacher konsonanz(ags. ea in älteren quellen a vor Everbindungen, o vor n-verbindungen, afries. a, vor nasalen%, as.-anfr. a, ahd. a): Vskald(,, skal- dan, scaltan)'stossen', Vspald(,,, spaltan)'spalten', Istald(stealdan,.,) ebesitzen', Vsalt (sealtan,,, salzan) salzen; Vfall(feallan, falla, fallan, fallan) fallen', Vwall(weallan, walla, wallan, wallan) wallen, sieden, falb(fealdan,,, faldan) falten', Vhald(healdan, halda, haldan, haltan) thalten, Vwald(wealdan, walda, waldan, waltan) walten', walk(wealcan,,, wallkan) walken', Vwalt (wealtan.,, walzan) wälzen', Ispann(sponnan, sponna spanna,, spannan)'spannen', Vhann(bon- nan, bonna,, bannan) bannen', Vbland(blondan,, blandan,) mischen', fanh/ fang(fön= föhan = wfonhan,[durch ausgleichung zu gunsten des vokals der 2. 3. sg. ind., vgl. v. Helten PBbeitr. XIV 239 ff.), fangan, fähan) fangen, Vhanh/ hanx(hôn,*hn'd ſaus howhan= höhan= wpõaln)=*hna und mit accentverschiebung*, v. Helten a. a. o., belegt im ger. 15 hwände Ri 27 20], hangan. hühan) thangen', ſanz(Kongan, gunga[awfries. auch gæn= ga-en], gangan, gän gangan) gehen'*.) Dazu Har mit dem-präsens ahd. erien erren epflügen'.

Regelmässige bildungen sind*skerld,*sperld, sterld, serit(aus*skerald u. s. w.), weiterhin *skéld,*spéld,*sfeld,*selt; alles übrige ist wgerm. neubildung etwa nach dem muster sxaldan:*skeld= blandan: hlénd. Im ags. erscheint das wgerm. 7 dieser sippe verkürzt: blend, spenn, fenx, henz, zeng. *seorlt, ²steorld(aus serlt, ster¹d) neben den jüngeren formen*selt, steld(vgl. meord méd) erzeugten seolt, steold als kompromissbildungen.²) Durch weitere übertragung des so geschaffenen ablautes kamen eoll, weoll, feold, heold, weold, weolc, weolt zu stande. Zur uberführung von spenn, henn, zeng in speonn, beonn, zeong mag der o-laut des präsens beigetragen haben und ausserdem die gleichung 5: e6= 0: eo(blôta: Blegt= honna: beonn). Die verba der sechsten ablautsklasse sponan, später auch sponnan verlocken' und weuxan wachsen' bilden neben den ursprünglichen präteriten aws. 5pôn, north. wöx später speön und weöx. Die vermischung des ersteren mit sponnan'spannen' und die geltung des x als doppelter konsonanz erklärt zunächst den übertritt der beiden verba in die vorliegende redupli- cierende klasse; weiterhin entstand eb durch kontaminierung von eo(speon) und d(spôn). Auch im afries. findet sich die verkürzung zu e, neben dem(besonders im Rüstringer dialekt) 7 erscheint: /ell, helt, opt. helde hilde, pl. hildon, weld, hen³), feng, heng und(mit anlehnung an das präsens) hueng, geng, pl. gingen. Im as. sind wol fél, wél, héld, wéld, féng, géng neben gekürztem fell, well, held, weld, feng. geng anzusetzen: die ersteren entwickelten hield, ſůeng, gieng aus sich; anfr.(6=) ie= 1: fiel, hield, wield wild,(féng) fieng fing, gieng. Ahd. 64) ea= ia= ie. Ein neben /enc hanc u. s. w. bestehendes hec (phiec) erklärt sich durch anlehnung an das n-lose fähan; durch eine noch innigere angleichung an vähan van entstand mhd. vie(neben vienc), sowie zu hähan hän neben hienc die form hie. Mhd. halsen um- halsen(ahd. swv. helsen halsén halsôn) zeigt in seinem prät. hiels durchgeführten übertritt in die redupli- kationsklasse. Seinen eigenen entwicklungsgang nahm das vokalisch anlautende erien erren(mhd. erren ern) aus germ. Far-iana(n): das reduplicierte präteritum fear wurde(ohne eine e-stufe) zu ahd. iar, mhd. ier neben erte(mit überführung in die schwache flexion vom jod-präsens aus).

¹) Fürs wgerm. unbelegt ist ath(got. us-alhan'alt werden))..

²) In ähnlicher weise ist(gruppe I. 3) einmaliges leot durch ausgleichung von leort und 76¼l zu stande gekommen.

³) Auch schwach bonda bonneda, zu spanna sponna nur das schwache spanda.

) Auch im ahd.(Is. M.) begegnen verkürzte formen: infene Kafengun, arhenc, Keng Senchunn(Braune ahd. gramm.§ 350 anm. 7), weshalb Sievers PBbeitr. I 506 ff. für die einzelnen germanischen dialekte die kürze des vokals als ursprünglich ansehen wollte und die verlängerung bezw. diphthongierung im ahd. und as. Canfr.) durch den einfluss der beiden anderen zur ersten reduplikationsklasse gehörigen präteritalgruppen zu erklären suchte. Die vokalkürze in den entsprechenden an. formen, welche zu dieser annahme wesentlich beitrugen, erklärt sich nach s. 11. Dass die einzelnen westgermanischen zweige selbständig zur kürzung langer vokale vor folgender doppelkonsonanz gelangten, kann nicht auffallen. Immerhin ist an die möglichkeit zu denken, dass bereits in der periode westgermanischer gemeinschaft die formen mit kurzem vokal in dem nördlichen teile des Pruehgebſetes sich ausbildeten und bei ihrer weiteren verbreitung mit der zunahme des räumlichen abstandes weniger leicht wurzel fassten.