Aufsatz 
Die reduplicierten Präterita in den germanischen Sprachen / von Rich. Eduard Ottmann
Entstehung
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Litteratur: 1. W. Scherer»zar geschichte der deutschen sprache ¹ s. 11 ff., ² s. 267 ff.

Zeitschr. f. d.ö. g. XXIV(1873) 295 ff.

2. E. Sievers ekleine beiträge zur deutschen grammatik' PBbeitr. I 504 ff.

3. I. Pokorny'über die reduplicierten prüterita der germanischen sprachen und ihre umwandlung in ablautende, wissenschaftliche abhandlungen, Wien- Leipzig(o. j.).

4. J. Schmidt vokalismus' II s. 428 ff.

5. J. Hofforydie reduplicierten präterita im altnordischen', Kzeitschr. XXVII, n. f. VII(1885) 593 f.

6. F. Holthausen"die reduplicierenden verba im germanischen' ebenda 6‧8 ff.

Seitdem Scherer(zeitschr. f. d. ö. g. XXIV 296) in hinsicht auf die schwierigkeiten, die sich einer lautgesetzlichen erklärung der überleitung der germanischen reduplicierten präterita in ablautende ent- gegenstellen, den ausspruch tat:'diese perfecta reduplicata sind ein ganz exceptionelles gebiet, worin dinge geschehen, die anderwärts in der sprache nicht möglich wären', hat sich das grammatische interesse wiederholt der lösung jenes vorgangs zugewendet. Indes darf die frage nach der ausbildung der in rede stehenden formen noch nicht als abschliessend beantwortet gelten. Eine zutreffende deutung, die freilich der richtigstellung in einzelnen punkten bedarf, ist höchstens für das altnordische durch Hof- forys untersuchungen gegeben, die sich auf die annahme gründen, dass die nordischen präterita nicht unbedingt auf derselben grundlage wie die westgermanischen formen erwachsen sein müssen. Wo für die westgermanischen dialekte richtige betonungsprincipien den ausgang der erklärung bildeten, hat man der annahme eines inneren konsonantenausfalls noch nicht entraten können, wie er in der ge- schichte der sprache, im besonderen auf germanischem gebiete, unerhört ist.

Durch die resultate Osthoffs Czur reduplikationslehre PBbeitr. VIII 540 ff.), dass bei den mit sk, sp, st beginnenden stämmen die gotischen präterita mit ihrem reduplikationstypus SKÆ Aℳ, SPE=SP, STE-=ST(skaiskäipß, spaispald, staistald?) nieht die grundformen darstellen, welche für die übrigen germanischen sprachzweige in ansatz zu bringen sind, muss die möglichkeit einer lautgesetzlichen her- leitung der aus reduplicierenden zeitformen hervorgegangenen ablautenden präterita des westgermanischen gebietes um ein gutes stück gefördert erscheinen.

Got. skaiskäih, staistald sind mit Osthoff(a. a. o. 556 f.) als einzeldialektische neubildungen anzusehen ¹) wie ja überhaupt das gotische in mehrfacher hinsicht geneuert hat²), und SAεs, SPE-S, STE-S sind als die gemeingermanischen reduplikationstypen zu betrachten. Das stamm- anlautende s nach der reduplikationssilbe erscheint im germanischen als 2. Während nämlich das von Verner(Kzeitschr. XXIII 97 ff.) aufgedeckte gesetz bei anlautendem p, h nicht in kraft treten

¹) Die bezüglichen gotischen formen entstanden durch angleichung an die überwiegende zahl derjenigen prüterita, die eihrerseits den wurzelanlaut im wortinnern der reduplicierten form hatten konservieren können(Osthoff s. 556 u.). In dieser art umgestaltenden bildens wird man wieder einen charakteristischen ausdruck des in der gotischen sprache wirkenden ausgleichungstriebes erblicken, der auch den grammatischen wechsel hat verschwinden lassen.

²) Vgl. den zusammenfall von germ. ε und* in ein einheitliches i, von u und o in u und die durchgäüngige geltung des als eines geschlossenen lautes.

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