Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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38 guten Wein liefert. Obwohl für die nördliche Zone ganz ungeeignet, ist doch vorüber- gehend der Versuch gemacht, die Rebe besonders an Pappeln auch bei uns empor- zuziehen. Die starke Beschattung, die schon im Süden Nachteile zur Folge hat, muss in dem kälteren Norden den Weinstock, der möglichst viel Sonne und Luft bedarf, verkümmern lassen.

Die Laubenform, vitis pergulana, in der, wie bei uns, der Weinstock ebenfalls gezogen wurde, schlägt nicht in das Gebiet des eigentlichen Weinbaues, sondern mehr in das des Kunstgärtners(topiarius). Auf den Villen fanden sich grosse, schatten- spendende Weinlauben, in denen Ruhebänke aus Marmor, Holz oder Rasen die Haus- genossen zu Trinkgelage und Spiel vereinigten oder zu beschaulicher Ruhe aufforderten. Diese Lauben wurden dann auch zu stattlichen Laubgängen erweitert, in denen man sich nach dem Mahle in anregendem und heiterem Gespräche erging. Nur selten mögen dieselben dem praktischen Zwecke der Weingewinnung gedient haben, wie heute an den Ufern des Comersees und in Tirol die Lauben, welche eine Breite bis 2zu 40 Fuss erreichen. Die an den Häusern als sorgfältig gepflegte Spalierpflanze emporgezogene Rebe verschönte und beschattete zugleich mit ihrer grünen Um- rahmung die sonnenbeschienenen Fenster und Thüren der Paläste der Reichen wie der bescheidenen Hütte des Armen.

Das Anbinden.

Nachdem die Pfähle und Rahmen in der angemessenen Grösse hergestellt und befestigt waren, wurden die jungen Pflanzen resp. die älteren Stöcke, die zu ihrer Erholung abgebunden waren und nun wieder an ihre Stützen befestigt werden sollten, gerade in die Höhe gezogen, weil bei einem gekrümmten Stamme der nährende Saft der Erde nicht ungehindert in die Höhe ziehen und sich den Früchten und Zweigen mitteilen kann. Hierauf band man den Stock mit seinem Kopfe unterhalb der Aste an die Stütze und befestigte die Aste, die sternförmig(sub stella) verteilt wurden, an dem Joche oder Geländer. Waren die Zweige so lang, dass sie über das(Geländer herausragten, so sollte man, wie Columella rät, dieselben auf der anderen Seite wieder herab zur Erde biegen und nicht nach dem Vorgange mancher Winzer sie vermittels angebundener(deerten in die Höhe treiben lassen. Auf diese Weise waren sie widerstandslos den Unbilden der Witterung ausgesetzt, während bei der vor- erwähnten Bindeart die beiden Seiten des Geländers mit Trauben reich besetzt sein konnten. Bei den Weinstöcken, welche an der Aussenseite der Weinanlagen standen, empfahl es sich, die Zweige nach innen zu biegen, um die Früchte vor diebischen Händen und den Angriffen der Tiere zu schützen. Die jungen Triebe, die man heran- zZiehen wollte, mussten vorsichtig befestigt werden, und zwar 80, dass man ihre natürliche Lage nicht verdrehte, wodurch sie leicht absterben konnten. Für den stärkeren Teil des Stockes konnten Weiden als Bindemittel genommen werden, die, um die ge- nügende(eschmeidigkeit zu erlangen, wenn sie frisch gehauen waren, in Mist, wenn alt gehauen, in Wasser gelegt wurden. Für die Zarteren Reben, die weiche Bindemittel verlangten, dienten Ginster(genesta), die zarten Ranken der Brombeere

¹) Cato 33; Varro I, 8; Vergil G. II, 400417: Col. IV, 12, 13, 14, 17 u, 20 Plinius XVII, 35; XVIII, 63; Palladius III, 13.