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dies die Aufgabe des deutschen Gymnasiums ist und dass wir zu ihrer Lösung eifrig zusammen- wirken müssen. Eintracht im Kollegium und Einmüthigkeit bei der Arbeit sind ja die Grund- bedingungen für eine gedeihliche Thätigkeit der Schule. Je fester geschlossen ein Lehrerkollegium zusammensteht, je mehr es eine innerlich vollendete Einheit rücksichtlich der Auffassung des Lehrplanes, der Methodik und der Handhabung der Zucht repräsentirt, um so stärker wirkt es nach Innen und nach Aussen, um so grösser sind die Resultate, die es erzielt. Sicherlich führt diejenige Organisation des Gymnasiums zu den schönsten Ergebnissen, bei der jedes Glied der Kette sicher in das andere greift, und wo alles zusammenstimmt, wie die Theile eines Räder- werkes in einander passen. Füllt jeder Lehrer genau die Stelle aus, die ihm angewiesen ist, und sucht er mit seiner Arbeit nur dem Ganzen zu dienen, so ergibt sich von selbst die Con- centration des Unterrichts im besten Sinne des Wortes.
„Wir werden, geehrte Herren Kollegen, in häufigen und langen Konferenzen uns zu verständigen haben über die Wege, die wir einschlagen wollen, über Fragen der Disciplin, über die Vertheilung des Lehrstoffes und seine didaktische Behandlung. Und sind dann unsere Berathungen zum Abschlusse ge- langt, so lassen Sie uns konsequent und entschieden das Beschlossene ausführen, sollten wir auch dabei um der Einheit willen liebgewordene Gewohnheiten und besondere Eigenthümlichkeiten zum Opfer bringen müssen. Selbstredend wird und darf die freie Individualität des einzelnen Lehrers nicht beeinträchtigt werden; denn ob des Wortes ‚in necessariis unitas: wollen wir nicht ver- gessen, dass es weiter heisst: ‚in dubiis libertase. Ich hege zu Ihnen das Vertrauen, dass Sie in diesem Sinne mit mir zu arbeiten bereit sind, und Ihr Vertrauen mir zu erringen wird mein eifrigstes Bemühen sein. Nehmen Sie mich, wennschon ich ein Fremder bin, den Sie nicht kennen, und wennschon ich mehreren von Ihnen an Lebens- und Dienstalter nachstehe, freundlich in Ihren Kreis auf und versagen Sie mir Ihre Mitwirkung nicht in Rath und That. Wir wollen doch alle nichts anderes als das Emporblühen dieser Austalt, das wir mit Auf- bietung aller Mittel zu fördern entschlossen sind. Darin stimmen wir ja überein, dass es für den Schulmann kein schöneres Lob gibt, als aufzugehen im Amte, und dass er lieber zu Grunde geht im Dienste als den Dienst vernachlässigt. t
Ich wende mich zu Euch, geliebte Schüler, an deren Ausbildung zu arbeiten ich hier- her gesendet bin.
Ihr dürft von mir erwarten, dass ich nichts Schöneres und Höheres kennen werde, als Eure geistige und sittliche Entwicklung liebevoll zu leiten, für Euer Bestes zu sorgen und Euer zukünftiges Glück zu begründen. Was aber beanspruche ich dafür von Euch? Zunächst Pietät gegen Eure Lehrer, insbesondere gegen den Mann, der lange Jahre mit hingebender Treue dieser Anstalt vorgestanden und dadurch Eure Hochachtung und Liebe in reichem Masse verdient hat. Gedenken wir deshalb heute seiner mit den Gefühlen des Dankes und der Verehrung und wünschen wir ihm, dass der Abend seines Lebens ihm noch manchen frohen Tag bringen werde.
Ich erwarte ferner von Euch einen eisernen, allen Fächern gleichmässig zugewendeten Fleiss.„Wer Grosses will, muss sich zusammenraffen“ sagt der Dichter, und dies Wort gilt namentlich Euch, die Ihr berufen seid, später die Stützen des Staates zu werden und als Männer der Wissenschaft einzutreten in die leitenden Kreise der menschlichen Gesellschaft. Es ist ein


