— 21—
Für die Bildung des Perfekt- und Supinstammes ist die Regel von Wichtigkeit, dass vor s b zu p wird, c und g aber sich mit s zu x verbinden und vor t im Supinstamme b zu p, g und q(u) zu c werden; d wird vor s entweder ausgestossen oder durch Assimilation zu s. ¹) Im ersteren Falle tritt für das ausgefallene d zum Ersatz Dehnung des vorhergehenden Vokals ein, wenn dieser nicht schon lang ist. Sämmtliche Stämme auf d haben im Supinum tum in sum verwandelt.²) Bei Stämmen, die auf m ausgehen, wird zur Erleichterung der Aussprache p vor s und t eingeschoben. Alle Ausnahmen von diesen Regeln bleiben der nächsten Klasse vorbehalten.
Die Ableitung der Formen vom Perfektstamm und Supinstamm entspricht auch in dieser Conjugation ganz der der übrigen.
Alle diejenigen Verba, die zunächst nach scribo einzuüben sind, haben einen Stamm- vokal, der entweder von Natur oder durch Position lang ist. Letzteres ist der Fall, wenn auf den Vokal zwei Consonanten folgen. Einige Verba, die eigentlich nur im Präsensstamm als Verstärkung ein eingeschobenes n haben sollten, haben dies doch durch das ganze Verbum behalten. Daher wird bei ihnen von der Sprache der Vokal als positionslang betrachtet und sie folgen den Verben mit langem Stammvokal. In den nächsten Klassen kann bei Gelegenheit auf die Natur dieses n hingewiesen werden.
21
Dieselbe Bildung des Supinstammes, aber eine andere des Perfektstammes haben die Verba mit kurzem Stammvokal. Diese bilden den Perfektstamm in der Art, dass sie den Bildevokal i unmittelbar an den Stamm antreten lassen und nur den Stammvokal dehnen. Dadurch wird à zu e, e zu e, i zu i, u zu u. Die Verba, in denen a zu a, 0 zu o gedehnt werden, gehören sämmtlich nach Quinta. Von den Verben dieser Bildung möchte ich auch diejenigen der Sexta zuweisen, die nur im Präsensstamm n oder m als Verstärkung erhalten haben, den Perfekt- und Supinstamm aber regelmässig aus dem Verbalstamm bilden. Die Gründe, die für die Aufnahme dieser Verba sprechen, sind, dass sonst die regelmässigen Verba der stammhaften Perfektbildung zu gering an Zahl sind und dass an diesen dem Sextaner der Unterschied zwischen Präsensstamm und Verbalstamm recht deutlich vor Augen tritt, ohne ihm doch Schwierigkeiten bei der Bildung der Formen zu bereiten. Bisher hat er zwar öfter gehört, dass die beiden Stämme zu unterscheiden seien, aber sie waren doch immer ganz gleich. Dass bei manchen Stämmen mit langem Vokal, wie bei duco, dieser erst aus kurzem Vokal gedehnt ist und dass diese Dehnung eine andere Art der Präsens- verstärkung ist, daher auch nicht durch alle Verbalformen bleibt, würde für den Standpunkt
¹) Anm. Um die Art der Assimilation klar zu machen, bietet wohl jeder Volksdialekt Beispiele z. B. der annere statt der andere u. ä. Ich habe dies Gesetz schon bei der Comparation verwendet, wo ich altissimus, pulcherrimus, simillimus von alt-is-timus, pulcher-timus, simil-timus hergeleitet habe.
²) Anm. Richtiger ist wahrscheinlich die Erklärung, dass der Stammauslaut vor dem t des Supinums zunächst in s verwandelt, dann t zu s assmilirt wurde. Darauf wurde oft das eine s ausgestossen mit Ersatz- dehnung bei kurzem Stammvokal.


