Aufsatz 
Das lateinische Verbum in Sexta / von Waldemar Mohr
Entstehung
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Infinitiv des Präsens hinzuweisen und als bestes Mittel dient selbstverständlich ein häufiges Abfragen dieser Formen; denn es ist kein Zweifel, dass das seltnere Vorkommen der Verba der vierten Conjugation diese Fehler begünstigt.

III. Conjugation. Nachdem die vokalischen Conjugationen gelernt sind, bleibt noch die der Zahl nach dritte, consonantische Conjugation über, wie auch bei der Deklination nach dem Stammauslaut(vier) vokalische und(eine) consonantische unterschieden sind. ¹)

Als Paradigma der dritten Conjugation pflegt in den Grammatiken lego oder ein anderes Verbum mit stammhafter Bildung des Perfekts zu stehen. Aber so geeignet ein solches Paradigma auch meiner Ansicht nach für die Grammatik ist, ziehe ich doch für den Anfang ein Verbum mit zusammengesetztem Perfekt vor; so braucht dem Schüler nur gesagt zu werden, dass er dass Perfekt der Verba, die er zunächst kennen lernt, satt mit vi mit si zu bilden hat. Erst nachdem die dritte Conjugation an scribo oder einem ähnlichen Verbum gelernt ist, wird die Bildung des Perfekts ohne Zusammensetzung mit Dehnung des Stammvokals und mit Reduplication hinzugefügt. Zu der ersteren Klasse gehören die der consonantischen Conjugation folgenden Stämme auf u-, nur dass bei diesen das u vor dem Vokal i wieder kurz werden musste. ²)

Beim Uebergang zu scribo erinnert der Lehrer daran, dass eine Reihe von Formen von sum und den drei vokalischen Conjugationen mit einem Bildevokal gebildet sind. Daran knüpft er sogleich das Bildungsgesetz: Alle Formen des Präsensstammes von scribo, die ein consonantisch anlautendes Modus- oder Tempuszeichen haben, schieben zwischen dies und den Stamm einen Bildevokal ein. Nun wird der Präsensstamm scrib- an die Tafel geschrieben, daneben mit einem Zwischenraum die Personalendungen. Da diese sämtlich consonantisch anlauten, erhalten sie auch alle den entsprechenden Bildevokal. Das m der ersten Person muss nach o abfallen. Im Passivum steht vor r in der 2. pers. sing. e, wie in amab-e-ris, deleb-e-ris. Im coniunct. praes. ist wegen des Zeichens a kein Bildevokal, im indic. imperf. ist e gedehnt wie in audiebam. Das Futurum I hat dieselbe Bildung, wie audiam. Im Imperativ steht auch in der 2. pers. sing. der Bildevokal(e). Nur dico und duco haben hier den Präsensstamm ohne Bildevokal, also dic, duc. Im Infinitiv des Präsens steht vor r wieder e, während dieselbe Form im Passiv ganz abweichend von den bisherigen Bildungen i an den Stamm fügt. Die Formen scribens, scribentis, scribendi, scribendus haben den- selben Bildevokal wie die Formen von audio.

¹) Anm. Der thematische oder Bildevokal ursprünglich a gehört ebensowenig zum Stamm der Verba dieser Conjugation, als in den Formen der vokalischen Conjugationen, in denen er erhalten ist, z. B. in dele-o, audi-unt oder in rector-em, rector-i-bus. Dafür spricht auch die stammhafte Perfektbildung mit dem gewiss nicht aus a entstandenen Bildevokal i, und die Supinformen duc-tum, cae-sum statt caed-tum, die nicht erst aus duci-tum, caedi-tum synkopiert sind.

²) Anm. Ursprünglich scheinen nicht alle Stämme auf u- dieser Bildung gefolgt zu sein, sondern einige das Perfekt mit v-i- gebildet, dann aber nach Analogie der anderen das v ausgeworfen zu haben. In der Schule müssen jedoch alle als gleich gebildet angesehen werden.