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wie es hier ohne alle Mühe ſich ſelbſt ausgebildet hat. Mitten zwiſchen den glänzenden Blättern tropiſcher Bäume hat es ſich mit der egyptiſchen Papierſtaude(Cyperus Papyrus) ausgefüllt, die mit ihren über 10 Fuß hohen Schäften und den feinen Blattſchöpfen darauf einen zierlichen Wald bilden. Rothleibige Libellen ſchwirren im Sonnenſcheine darum und oben in den Blattbüſcheln, dem Lieblingsplatze zahlreicher Laubfröſche(Hyla europaea oder andere Species? die Unterſuchung mitgebrachter Exemplare wird es entſcheiden), ſitzen die kleinen Schreihälſe ſo dicht gedrängt, daß die langen Halme ſich wie mit Früchten beladene Aeſte herabbeugen. Kurz, der Garten bietet ſo viel des Sehenswerthen und Intereſſanten, daß wir halbe Tage lang darin ſein konnten, ohne mit dem Be⸗ trachten und Beſtaunen fertig zu werden. Leider aber iſt die Geſchichte des Gartens wieder in eine Kriſis getreten. Die Regierung hat von Neuem alle Unterſtützung deſſelben abgelehnt, hoffentlich aber wird Wildprett's Projekt zur Ausführung kommen, da der Garten nach der Schenkungsakte nicht ver⸗ kauft werden darf. Wildprett hat der Regierung das Anerbieten gemacht, ihm den Garten auf 25 Jahre in Pacht zu überlaſſen. Er will darin oder daneben ein Haus errichten, um Bruſtkranken einen bequemen Aufenthalt bieten und ſie in Pflege nehmen zu können. Das Klima gerade des Thales von Orotava, in deſſen Mitte der Garten liegt, iſt, wie wir ſelbſt an mehreren Beiſpielen geſehen, Bruſtkranken in höchſtem Maße zuſagend, die herrliche Natur für die Stimmung des Gemüthes von beſter Wirkung. Die mittlere Temperatur beträgt für das Thal von Orotava im Januar 16,8° Cels., Februar 16,7°, März 17,9⁰°, April 18,1⁰„ Mai 20,8⁰°, Juni 23,2°, Juli 24,7⁰, Auguſt 22,90, September 22,1⁰°, Oktober 20,7⁰, November 20,2⁰°, Dezember 19,3° Celsius.*) Man erſieht daraus, daß die Schwankungen der Temperatur im Ganzen geringe ſind, und hierin liegt gerade das Wohl⸗ thätige der klimatiſchen Heilorte. Orotava auf der Nordſeite der Inſel iſt im Sommer aber entſchieden angenehmer als Sta. Cruz, wo die Sonne oft unerträglich von den Bergen und dem Meere zurück⸗ geſpiegelt wird, während im Ganzen trotz der Nähe der See das Klima des Thales von Orotava vielen Kranken zuträglicher ſein mag als das des vielbeſuchten und ſehr theuren Madeira, das durch die große Feuchtigkeit ſeiner Luft erſchlaffend auf den Körper einwirkt.
Wohlgepflegte und weitberühmte Gärten hat auch die Villa de la Orotava, wo viele der altadeligen Familien, die ihren Grundbeſitz noch von der Einnahme der Inſel durch die Spanier herleiten, wohnen. In dem Garten des Marquis de Sauzal ſtand der durch Humboldt in ganz Europa berühmt gewordene Drachenbaum(Dracaena Draco), deſſen Alter auf 4— 6000 Jahre geſchätzt wurde. Bei einer Höhe von etwa 65 Fuß hatte der Stamm einen Umfang von 18 Metern.**) Um ihn zu ſchützen war ein Theil ſeiner Höhlung mit Mauerwerk ausgefüllt, die Hauptäſte mit Stützen von Holz verſehen. Dieſe hätten zum Theile ergänzt, zum Theile erneuert werden müſſen, aber mit ächt ſpaniſchem Gleichmuth wurde dies hinausgeſchoben, bis es zu ſpät war. Im März 1867 brach ein Sturm los, der die ehrwürdige Baumruine zuſammenriß, ſo daß nur noch ein Rieſen⸗ ſtumpf ſtand. Dieſer wurde im Jahre darauf durch Funken, die von einem brennenden Nachbarhauſe herüberflogen, entzündet und brannte vollſtändig zuſammen. Im September 1871 ſtanden wir vor den vermodernden Trümmern, von denen wir Proben mitnahmen; zwei Nachkömmlinge des berühmten Rieſen, aus dem Samen, der bei ſeinem Sturze geſammelt wurde, von Herrn Honegger gezogen, grünen jetzt in dem Treibhauſe unſeres botaniſchen Gartens.
*) Diccionario de las islas canarias. **) Nach Angabe des Herrn Wildprett.


