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Die bisherige Vertheilung der Zeit des gesammten Gymnasialkursus von der untersten bis zur höchsten Stufe über die, je nach der Sonderung oder Vereinigung der beiden Sexta, sechs oder sieben Klassen beruhte auf dem Princip, dass mit jedem Semester eine Versetzung der befähigten Schüler von der einen zur anderen Statt fand. Von den neun bis zehn Jahren, welche auf den ganzen Lehrgang des Gymnasiums zu rechnen waren, fielen daher in der Regel drei Semester auf jede Klasse, und die noth- wendige Folge davon war, dass eine jede Schüler von dreifach verschiedener Stufe ihrer Vorbereitung und Kenntnisse in sich aufnahm und beschäftigen musste. Wenn diese Einrichtung bei einfacheren Anforderungen und unter der fast ausschliesslichen Einwir- kung eines einzigen Lehrers ohne erheblichen Nachtheil, wenn schon nie ohne bedeu- tende Schwierigkeiten, durchzuführen war, so mussten die letzteren sich immer fühl- barer machen, je mehr der Lehrstoff sich erweiterte und dadurch auch unter verschie- dene Lehrer vertheilte. Jeder Unterricht musste unter der grossen Verschiedenartigkeit der gleichzeitig zu fördernden Schüler und unter der Nothwendigkeit leiden, mit jedem Semester theilweise einen neuen Anfang mit den zu behandelnden Gegenständen zu machen. Die immer dringender an jeden Lehrer herantretende Forderung, die gebotene Zeit so haushälterisch wie möglich zu nutzen, hat daher das Lehrercollegium zu dem Wunsche vereinigt, durch Umwandlung der bisherigen halbjährigen Lehrkurse in jährige einen Hauptgrund der oft empfundenen Hemmungen und Störungen des Unterrichts zu beseitigen; und dieser Wunsch, welcher die Genehmigung eines Hochw. Consistoriums erhalten, hat auch bei den höchsten Staatsbehörden eine so geneigte Aufnahme gefunden, dass er bereits mit dem neuen Schuljahre in Ausführung gebracht werden wird.
Demgemäss wird von jetzt an in jeder Klasse der Lehrkursus in allen Unter- richtsfächern von Ostern bis Ostern seinen ungestörten Fortgang haben. In den drei unteren Klassen, Septima, Sexta, wie die Bezeichnung nach ihrer bleibenden Sonde- rung statt Unter- und Ober-Sexta künſftig lauten wird, und Quinta wird der gesammte Lehrstoff in einem Jahre, in OQuarta dagegen, so lange nicht eine Ueberfüllung der Klasse eine Zerlegung nothwendig machen wird, wegen des bei weitem grösseren Umfangs der hier behandelten Lehrobjecte, in zwei Jahren absolvirt werden; der Kursus von Tertia ist wieder auf ein Jahr bestimmt; in Secunda und Prima aber wird durch Einführung von zweijährigen Lehrkursen eine Einrichtung wieder hergestellt, welche bis zum Jahre 1844 an unserem Gymnasium bestanden hat und sicher eine grössere Bürgschaft für eine reife Durchbildung der Schüler in sich trägt, als die gegenwärtige. Wenn übrigens für Quarta und Secunda in der Regel zwei Jahre zur Erreichung des Klassenzieles erforderlich sein werden, bleibt ausgezeichneten und fleissigen Schülern, denen die Absolvirung des Lehrpensums in kürzerer Zeit gelingt, die Aussicht auf die Ascendenz nach einem Jahre nach dem Ermessen der Lehrer unbenommen. Die Versetzung der Schüler von Klasse zu Klasse, sowie die Entlassung der Abiturienten zur Universität findet nur einmal im Jahre zu Ostern statt. Die Forderungen der Klassen sind nicht höher gestellt, als dass jeder
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