Beobachtungen über den homerischen Sprachgebrauch.
Wanrend die Fragen der höheren Kritik, welche sich jetzt schon seit bald sechzig Jahren mit der Persönlichkeit des Dichters Homeros, dem historischen Gehalt seiner Dich- tungen und der Art und Weise ihrer Composition aufs eifrigste beschäftigen, noch immer zwischen den entschiedensten Gegensätzen schweben, und auf dem Wege, auf dem Lach- mann's kühner Scharfsinn vorangegangen ist, kaum ihrem Abschluss näher geführt sind ¹); hat die bescheidnere Erklärung und Untersuchung des Einzelnen, sowohl was die metrische und sprachliche Form, als was den sachlichen Inhalt betrifft, unläugbar bedeutende Fortschritte zu einem genaueren Verständnisse und zur sicherern Feststellung des Textes gemacht. Die Bemühungen von Buttmann und Passow, G. Hermann und Doeder- lein, von Nitzsch und Naegelsbach, von Hoffmann und Ahrens, von J. Bekker und Faesi u. A. sind nicht ohne bleibenden Erfolg nach verschiedenen Seiten hin geblieben, und werden vereint mit den Verdiensten von Lehrs, Nauck, Düntzer, Friedländer, Lauer, Sengebusch u. A. für die genauere Kenntniss der besonderen Richtungen der Alexandrinischen Kritik immer mehr das Material liefern und läutern, aus welchem eine fest- stehende Entscheidung über jene umfassenden Fragen, so weit es überhaupt möglich ist, gewonnen werden muss.
Was die Erforschung der Sprache der homerischen Gedichte betrifft, welcher die folgenden Bemerkungen sich zuwenden, so haben die sorgfältigen Arbeiten neuerer Gelehr- ten auf diesem Gebiete vorzugsweise den etymologisch-grammatischen Theil im weitesten
1) Den Beweis des Gesagten liefert die neueste, umfassende und tief eindringende Behandlung der Frage von Nitzsch: Die Sagenpoesie der Griechen, verglichen mit Schoemann’'s Receusion derselben im ersten u. zweiten Heft der diesjährigen Jahrbücher für Philologie und Pädagogik.— Einen verdienstlichen Ueberblick der bedeutendsten Leistungen seit Wolf und Andeutungen über den jetzigen Stand der kritischen Frage gibt Geo. Curtius in der Zeitschrift für die österreich. Gymnasien. V. Heft 1 u. 2. Nur bätten wir dort gern Kitschl's zwar summarische, aber durch Klarheit und Ein- fachheit vorzüglich befriedigende Aufstellung seiner Grundansicht in seiner Schrift: Die Alexandri- nischen Bibliotheken unter den ersten Ptolemâern(besonders S. 70. 71.) erwähnt geschen.
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