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haben Hugo und das von Papebroch l. c. 655— 658 als»Epitome vitae ab Ezelone atque Gilone scriptae per anonymum excerpta« herausgegebene, von Lehmann»Anonymus I« genannte Fragment geschöpft. Da dieses Resultat in dem Wattenbach'schen Werk»Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter« II. 150 seq. Aufnahme gefunden, so mag trotz der geringen Bedeutung des Gegen- standes eine erneute Prüfung hier Platz greifen, die, wie ich hoffe, diese literarische Frage zur endgültigen Lösung führen wird.
Wir gehen von Hildebert aus, da er allein genaueres über seine Quellen mittheilt: Ex hoc autem, heisst es in der Vorrede zu seiner Vita, praecipue veniam confiteor postulandam, quod post amplioris litteraturae viros, Ezelonem loquor atque Gilonem, qui de beatissimo Hugone illo vigilantes scripsisse leguntur, ausus sim pertractandam aggredi materiam, quos velut a longe secutus pro homine simiam pinxisse... inveniar. Ferner: Mutatum autem hoc solum opinor, quod... comes in abbatem praesumpsisse memoratur Hugonem, cuius quia praefatis scriptoribus veridici defuere relatores, falsitatis notam incurrerunt. Und in der Vita: De quibus(die berühmten Mönche, welche zur Zeit Hugo's in Cluny lebten) loqui plura supersedemus, ad agnitionem de- votionis eorum sufficere iudicantes, quod ante nos de iis Eazelo atque Gilo, clarissimi scilicet viri, vigilantius seripsisse traduntur. Lehmann macht sich nun, die Sache sehr leicht, indem er aus den Worten»leguntur« und»traduntur« den Schluss zieht:»Man sieht, er selbst hat gerade diese beiden Schriftsteller nicht gelesen und seine Kunde von ihren Werken erst aus mindestens einer andern Schrift, worin dieselben erwähnt waren, vielleicht auch ausserdem noch, wie das »traduntur« anzunehmen gestattet, aus mündlicher Mittheilung über sie.« Eine wahre Quartaner- gelehrsamkeit!»Scripsisse leguntur« und»traduntur« ist weiter nichts wie eine geschnörkelte, in jenen Zeiten nicht ungewöhnliche Umschreibung für das einfache scripserunt, wie wenn es z. B. in Urkunden heisst»cui monasterio Hugo abbas praeesse videtur« für praeest, oder Hilde- bert selbst in der Einleitung zur Vita s. Radegundis(Opp. ed. Beaugendre 885) sagt»miracula, quae sanctimonialis memoriae reperitur commendasse« für commendavit. Doch sapienti sat! Ich glaube, es geht für jeden, der da sehen will, aus jenen Worten klar hervor, dass Hildebert nicht allein nach Ezelo und Gilo seine Vita verfasst, sondern dass er ihre Werke auch gelesen und benutzt hat. Wie kann er denn sonst ihnen»gleichsam von weitem folgen«, wie ihnen»wahr- heitsgetreue Berichterstatter« absprechen(denn dass sich»praefatis scriptoribus« auf sie bezieht, ist ohne Zweifel), wie endlich ihre Angaben»für genügend« erklären? Was hätten denn jene Worte anders überhaupt für einen Sinn? Hildebert führt ausserdem in der Einleitung zur Vita s. Radegundis seine Quellen namentlich an, und hier sollte er anders verfahren sein?
Hildebert hat also nach seiner eigenen Erklärung die Schriften Ezelo's und Gilo's seinem Werke zu Grunde gelegt, und zwar vorzugsweise die Gilo's. Denn der bereits von Papebroch als Auszug aus Ezelo und Gilo angesehene Lehmann'sche»Anonymus I«, der dem Hildebert wie ein Ei dem andern gleicht, ist in der That weiter nichts als der verstümmelte Gilo. Man darf nur desselben an Pontius gerichtetes Einleitungsschreiben bei Martene, Thes. I, 321 mit dieser Epitome vergleichen, gewisse bezeichnende Ausdrücke kehren in beiden wieder, z. B. in dem Schreiben»radiantia lumina solis«, in der ep.§ 1»speciem infantilem super humanum modum radiantem«;»ego prodigus ille« und§ 7»miser suae prodigus animae«;»latibulo dignior quam vocabulo« und§ 9»de latibulo suo egressus.« Und nun vergleiche man folgende Erzählung dieser Epitome und Hildebert's.(Da auch Hugo und Rainald dieselbe Geschichte haben, so setze ich sie gleichfalls hinzu.)


