Aufsatz 
Syntaktische Bemerkungen zu Herodot / Nehmeyer
Entstehung
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Syntaktische Bemerkungen zu Herodot.

Unter den griechischen Schriftstellern des klassischen Altertums hat Herodot, der Vater der Geschichte, von je her besonderen Beifall gefunden und lebhaftes Interesse erregt durch seine treuherzige und naive Darstellungsweise, die anschauliche Schilderung von Land und Leuten und die fesselnde Beschreibung des grossen Zusammenstosses zwischen Barbaren- und Hellenenwelt.

Doch auch in formaler Beziehung ist seine Schreibweise merkwürdig; hält sie doch die Mitte zwischen der rein poetischen Darstellung Homers, an die so viele Anklänge bei ihm erinnern, und der kunstmässigeren Prosa der Späteren. Die Satzverbindung wird bei Herodot viel öfter als bei den folgenden griechischen Schriftstellern noch durch die einfache Parataxe (coordinatio Anreihung) bewirkt im Gegensatz zu der später immer umfänglicher geübten Hypotaxe(subordinatio Unterordnung).

Vornehmlich erregten die Absichts- und die Folgesätze bei Herodot meine Aufmerksam- keit, und über diese will ich mir einige Bemerkungen gestatten. Benutzt habe ich folgende Arbeiten:

Dr. Philipp Weber: Entwicklungsgeschichte der Absichtssätze. Erste Abteilung: Von Homer bis zur Attischen Prosa. Würzburg. 1884.

R. Heiligenstaedt: De enuntiatorum finalium usu Herodoteo cum Homerico ex parte com-

8 parato. Pars prior. Halis Saxonum 1883. Pars altera. Görlitz 1892.

Otto Walther: UÜber αα bei Herodot. Hameln 1887.

George S. Thomas: De particulae α usu Herodoteo. Lipsiae 1888.

Dr. Paul Bahr: De özwc coniunctionis apud Herodotum vi et usu. Magdeburg 1887.

Max Wehmann: De dore particulae usu Herodoteo Thucydideo Xenophonteo. Argentorati 1891.

Es ist leicht möglich, dass eine oder die andere in den letzten Jahren über diesen oder einen damit verwandten Gegenstand geschriebene Abhandlung mir entgangen ist; sollte dies der Fall sein, so muss ich die Nachsicht der geehrten Fachgenossen für mich in Anspruch nehmen, ebenso auch für den Umstand, dass durch meine Bemerkungen keine wesentlichen neuen Ergebnisse für die Wissenschaft geboten werden. Dagegen glaube ich, was die Zahl der gesammelten Beispiele betrifft, ziemlich lückenlose Vollständigkeit erreicht zu haben. Massgebend war für mich der Text der kritischen Ausgabe von H. Stein; ausserdem habe ich die Ausgaben von Abicht und von Dietsch benutzt.