Schustergasse. 111
und einem breiteren Aufsatz, der vielleicht ursprünglich eine schlanke Pyramide trug, um 1666/67.*) Nach dem Höfchen zu achteckiger Treppenturm †, dessen oberstes Stockwerk be- schiefert. Zu dem Turm führt eine Renaissancepforte†, die mit dreieckigem Giebel überdacht ist. Die Pfosten der Pforte sind auf der Vorder- und Seitenfläche mit Diamantquadern besetzt. Auf dem Schlussteine des Bogens eine Hausmarke in Relief, mit den Buchstaben C. H. E. Im Turme eine steinerne Wendeltreppe mit dreifach gewundener, hohler Spindel. Am Erdgeschoss des Treppenturms ein Fensterkorb mit hübschem Schmiedeeisenwerk. In der Höhe des ersten Stockwerkes am Turme, in einer von Pilastern eingerahmten Nische mit Muschel- baldachin: das Standbild der hl. Barbara mit dem Turme; derbe, aber charakteristische Arbeit. Am Sockel in einer Kartusche das Chronostichon(1717):
SANCTA VIRGO BARBARA SIs CVSTOS DoMVs NOSTRAE
„Hl. Jungfrau Barbara sei Schützerin unseres Hauses.“ Am Dache, besonders auf der Marktseite, beschieferte Giebelausbauten, die im Platzbilde des Marktes recht wirkungsvoll sind. Eine solche Ansicht der Nähkiste und Umgebung findet sich in Schneider, Altmainzer Erinnerungen, Mainz 1897.
*) Die Fenster- und Portalarchitektur der ehem. Sebastianskapelle auf
dem Höfchen(erbaut 1666/67) zeigt nahe verwandte Formen. S. Schrohe, Sebastianskapelle S. 17.
2.„Grosser und kleiner Steinkram.“ An der Hausecke, unter einem gerippten mit Pinienapfel bekröntem Baldachin: Maria als Himmelskönigin †. Auf dem Haupte trägt sie die Krone, in der Rechten das jetzt fehlende Szepter, auf dem linken Arme das Christuskind mit der Weltkugel. Am Sockel geflügelter Engelskopf; seitwärts davon in Kartuschen: rechts eine Hausmarke mit den Buchstaben I. B.(?), s. Tfl. XXI, links: die Buchstaben E. M. L.; gute Arbeit, um 1700. In der Gewand- behandlung(vergl. u. a. den lebhaften, über der rechten Schulter flatternden Schleier) gehört die Figur mit Markt Nr. 35, s. d. Abb. Tfl. XIII, gr. Bleiche Nr. 27 u. 29, Umbach 2, Ballplatz 3 in eine Gruppe. Das Christuskind an gr. Beiche 29 hat ganz ähnlichen Gesichtsausdruck und auch das der anderen Figuren zeigt z. B. in der Haarbehandlung viel Verwandtes. Sie scheinen alle einer tüchtigen Schule anzugehören, die etwa von 1680 bis in die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts in Mainz blühte.
10.„Platteneck.“ An der Ecke des einfachen Barock- baues unter einem gerippten Baldachin, zwischen zwei Palm- zweigen, die beinahe lebensgrosse Figur des hl. Franz Xaver f† im Pilgergewand, die Arme auf der Brust gekreuzt. Im linken


