Grosse Bleiche. 23
15.„Stadioner Hof.“ Ausführlicheres über die Bau- geschichte bei Schaab II, 288 ff. Leider gibt Schaab für seine genaueren Angaben nicht die Quellen an, die vielleicht auch manches über den Baumeister und die am Bau beschäftigten Kunsthandwerker ergeben könnte.
Erbaut 1728—1733, vergl. auch Mainzer Stadtarchiv, Frei- adlige Häuser. Dat. 20. Mai 1732. Dem Lothar Friedrich Prei- herrn von Rollingen(dem Erbauer und ursprünglichen Eigentümer des Hauses) wird die Realfreiheit(d. h. Freiheit von allen Kommunal- lasten als Schatzung, Einquartierung, Service u. s. w.)„auf seinen kostbaren neuen Hausbau zu besonderer Zier und An- sehen der Stadt“ gewährt. Rollingens Gesuch um die Ge- währung dieser Realfreiheit erklärt sich vielleicht aus seinen Vermögensverhältnissen, vergl. Schaab a. a. O.
Vornehmes Barockpalais †, dessen Fassade in ihrer Gliede- rung viel Ahnlichkeit mit der des Bassenheimer Hofes(Schiller- platz Nr. 3) zeigt(vergl. besonders die Balkonarchitektur).
Die Fenster des obersten Stockwerkes wurden zum Teil in neuerer Zeit tiefer gebrochen; auch der unterste Stock in neuster Zeit teilweise verändert.— Am Mittelrisalit, dessen ganze Breite einnehmend: stattlicher Balkon †, der von 6 reich verzierten Konsolen getragen wird. Die beiden äusseren Konsolen mit Löwenfellen drapiert; auf den inneren(rechts und links vom Schlusstein der Eingangstüre) je zweimal wiederkehrend in Wappeuschilden die verschlungenen Initialen v R(von Rollingen) und vT(von Thüngen, die Gemahlin Rollingens war eine geb. v. Thüngen). Die mit weiblichen Masken verzierten Schluss- steine der unter dem Balkon liegenden Türe und Fenster dienen zugleich als kleinere Konsolen für den Balkon.— Am Balkone geschwungenes, schmiedeeisernes Gitter(vergl. das Treppengeländer im Innern, Abbild. Tfl. XVII). In der Mitte desselben ein Wappenschild(v. Stadion), dessen Bilder herausgeschlagen sind (§. die Anmerk. zu Karmelitenplatz Nr. 4). Rechts und links davon die verschlungenen Initialen F. G. v. S. unter der Grafen- krone(Friedrich G. v. Stadion). Als Schlussteine der drei zu dem Balkon führenden Türen, die mit Kreisbogen abschliessen: Frauenköpfe, von denen reiche Skulptur(Blumen- und Akanthus- ranken) ausgeht. Im Giebelfelde in reicher Barockkartusche das Stadion'sche und Sickingen'sche Wappen(wahrscheinlich lief auch hier von der Kartusche nach rechts und links der Grundlinie des Gie- bels entlang ein Ornament, vergl. Bassenheimer Hof, Schillerplatz). Im Innern weiträumiges vornehmes Treppenhaus †(1904 wurden die störenden Einbauten daraus entfernt; vergl. Abbild. Tfl. XVII). Treppengeländer mit sehr reicher Schmiedeeisenarbeit. An Decken und Wänden feine Stuckdekorationen †. Bandwerk- muster und naturalistisches Rankenwerk, auch schon leise An- klänge an das genre roccaille, Muschelmotiv; vergl. damit die


