Ueber die heiligen Kampfſpiele der Griechen, mit Bezug auf Schillers Ballade:„Die Kraniche des Ibykus.“
Es gibt in der alten Welt kein anziehenderes Schauſpiel als die heiligen Kampfſpiele der Griechen. Aus allen Theilen des ſchoͤnen Hellas ſtroͤmte man in jene Gegenden, auf welche das Auge des Himmels freundlich herabſah: an die Ufer des Alpheus, auf die Landenge von Korinth, an den Fuß des Parnaſſus.
Zu dieſen Volksfeſten vereinten ſich alle Staͤmme der Griechen; dieſe hei— ligen Orte verſchonte der Krieg; jeder Zwiſt wurde fuͤr die Zeit der Feier bei— gelegt. Hier verſammelte ſich die Bluͤthe der griechiſchen Welt: der gewandte Ringer, der ſtarke Kaͤmpfer, der feine Staatsmann, der ſcharfſinnige Philoſoph, der begeiſterte Dichter, der wortkraͤftige Redner; jedem Talente war hier die Bahn geoͤffnet, der Kunſt, wie der Wiſſenſchaft, der koͤrperlichen Kraft, wie der geiſtigen Bildung. Nicht gemeine Schauluſt trieb die Menſchen von allen Sei— ten hier zuſammen, ſondern hauptſaͤchlich ein hoͤheres Beduͤrfniß, durch das An⸗ hoͤren genialiſcher Werke ſich einen hohen geiſtigen Genuß zu verſchaffen und durch die Anſchauung ſchoͤner Koͤrperformen den Kunſtſinn zu bilden. Hier ſan⸗ gen die Rhapſoden Bruchſtuͤcke aus Homer und Heſiod, hier laſen die Epi⸗ ker und Lyriker ihre Gedichte vor; hier fuͤhrten die dramatiſchen Dichter ihre Stuͤcke auf; hier ließen ſich Floͤten- und Citherſpieler hoͤren; hier wurden von


