Das Mittelalter, deſſen engere Graͤnzen wir hier von Karl, dem Großen, an bis zu Maximilian IJ., oder bis zur Reformation feſtſetzen, hat von der einen Seite die feurigſten Lobredner, von der andern die heftigſten Tadler ge⸗ funden. Die Freunde des Mittelalters preiſen die Kraft und Herrlichkeit des Ritterweſens, den Zauber des Romantiſchen, die Begeiſterung fuͤr Ehre, Liebe und Religion, das kraͤftig⸗luſtige Leben in den Staͤdten, die erhabene Idee, die ſich im Streben der Kirche ausgeſprochen, und die Majeſtaͤt, welche den roͤmi⸗ ſchen Kaiſer umkleidet habe. Die Feinde des Mittelalters aber ziehen los gegen die Unwiſſenheit und Rohheit der Ritter, gegen den Druck der Leibeigen⸗ ſchaft, gegen das Fauſtrecht und die allgemeine Unſicherheit, gegen die tolle Schwaͤrmerei und den finſtern Aberglanben, gegen die Tyrannei, mit welcher die Kirche wider das freie Denken gewuͤthet, gegen den Mißbrauch, welchen das Schwert der weltlichen Gewalt ausgeuͤbt habe, endlich gegen die kriechende Demuͤthigung des kaiſerlichen Thrones vor der Tiare. Die Lobpreiſer des Mit⸗ telalters ſinden Alles, was die neuere Zeit bietet, klein und ſchlecht gegen die Vergangenheit; ihren Gegnern aber ſcheint nichts an der Vergangenheit des ho⸗ hen Preiſes werth; ſie verwerfen Gutes und Schlechtes, oder laſſen nur Weni⸗ ges als die erſten Keime einer beſſeren Zukunft gelten.
Dieſe entgegengeſetzten Stimmen des Lobes und des Tadels gehen hervoe aus den verſchiedenen Standpunkten, von welchen man das Bild der Vergangen⸗


