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lebender Sprachen. Mehr Nutzen und mehr Ehre wird es uns bringen, wenn wir das fuͤr unſere Mutterſprache thun, was Griechen und Römer fuͤr ihre Sprache gethan haben, und wenn wir die Ideen, die fie ausſprachen, fuͤr welche ſie die Gemuͤther zu begeiſtern ſuchten, in unſer Le⸗ ben einfuͤhren.— Wir ſollen uns alſo bemuͤhen, die Haͤrten unſerer Sprache abzuſchleifen, den Wohllaut zu befoͤrdern, aus dem Vorrathe der Woͤrter ſolche hervorzuſuchen, wodurch die eingeſchlichenen Fremdlinge koͤnnen ver⸗ draͤngt werden; kurz, ſo viel als moͤglich, unſerer Mutterſprache den ſanf⸗ ten, ſchoͤnen Fluß der griechiſchen, und die Wuͤrde der roͤmiſchen Sprache zu verſchaffen.
Es ſey ferner unſer Beſtreben, die erhabenen Gedanken, die wir bei den Alten uͤver die wichtigſten Angelegenheiten der Menſchheit finden, zum Eigenthume unſers Gemuͤthes zu machen, darin zu leben und zu wirken. Das Vild des Weiſen, das uns Plato und die Stoiker aufſtellen, rege unſern Willen an, daß wir dieſem Vorbilde naͤher zu kommen trachten. Vor⸗ zuͤglich ſey es uns angelegen, das zu zeigen in der That, was die Alten ſo ſehr empfehlen, ſo feurig preiſen: nuͤtzliche Thaͤtigkeit fuͤr den Staat, hohe Liebe zum Vaterlande. Nicht fuͤr die Schule, ſondern fuͤr das Le⸗ ven ſollen wir lernen; nicht unſere Gelehrſamkeit in unſere Studir⸗ zimmer oder in Buͤcher einſchließen, ſondern der Geſellſchaft damit nutzen.
Nach dieſem Ziele hinzuwirken, das iſt auch die Aufgabe fuͤr den Paͤdago⸗ gen, wovon wir bei der Beantwortung der zweiten Frage, die wir oben ſtellten, jetzt etwas ausfuͤhrlicher reden wollen.*
II.
Unter den Klaſſikern, welche in ihren Schriften für den Erzieher ſehr lehrreich ſind, verdienen beſonders bemerkt zu werden unter den Griechen:


