Aufsatz 
Die Paläographie als Wissenschaft und die Inschriften des Mainzer Museums / von Moritz Munier
Entstehung
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eingehauen sind u. s. w. In dem kurzen Anhang zu den Tabb. ph. habe ich einige nicht keil- förmig eingehauene Inschriften des Mainzer und Wiesbadener Museums aufgeführt, eine 1180, un- bestreitbar halbrund eingemeisselte, 1095 mit dem Hohlmeissel nachher geglättete, 991 mit vielen Buchstaben, bezw. Theilen(denn runde Formen z. B. werden wohl nie mit einem Hohlmeissel gemacht) solcher, deren Seitenflächen vertical sind. Dazu ist noch ein in den letzten Jahren zu Mainz gefundener, sehr schöner und wohlerhaltener Altar gekommen, den Vicani Mogontiacenses dem Juppiter und der Juno gewidmet haben. Fast alle schiefen Grundstriche der schönen und ziemlich grossen Buchstaben sind mit dem Hohlmeissel geglättet und ausgearbeitet, so dass sie also auf dem Querschnitt halbrunde Vertiefung zeigen. Um wie vieles vernünftiger äusserte sich Janssen über diesen Punkt, indem er sagte:Wer würde übrigens die Möglichkeit zu bestreiten wagen, dass ein Steinmetz sich auch wohl einmal(bei jenem Altar war's vielleicht der Bildhauer) beim Meisseln von Buchstaben des Hohlmeissels, welcher bei den Graveuren von Inschriften auf bronzene Platten im Gebrauch war, bedient habe? Freilich mit solchen Ansichten fällt die ganze Paläographie zusammen, und wie weit man damit kommt, hat Janssen an sich selbst erfahren, indem er von Hübner p. 104 hören musste:..... Da dies jedoch in zwei Fällen feststeht, so wird man mit Fug und Recht so lange, an der Aechtheit der sämmtlichen von Hrn. Janssen ohne jeden Verdacht(so?) mitgetheilten Papenbroekschen Inschriften zweifeln, bis ein anderer als Herr Janssen, ein zur Sache legitimirter Forscher, ihre Aechtheit aus paläographischen und allgemeinen antiquarischen Gründen erwiesen haben wird. Die Vorsteher des Leidener Museums werden sich unzweifelhaft freuen, bei dieser Gelegenheit einmal durch einen berufenen Kenner eine strenge(je strenger, je wohlfeiler!)Sichtung der epigraphischen Denkmäler vornehmen zu lassen u. s. W. Merkwürdiger Weise aber schreibt Hübner, wenn auch versteckt am Ende einer An- merkung, die vorn die Ansicht Maffei's mittheilt, auf der vorhergehenden Seite, p. 103, selbst: Hr. Janssen weist in der praefatio seines Werkes S. 4 selbst Orelli's Einwendungen gegen Maffei's Urtheil zurück; er sagt ausdrücklich: plares inscriptiones Papenbroekianae omnino in dubium vocandae sunt. Bei den vorliegenden Inschriften jedoch hat er das, wie es scheint, ver- gessen. Sicher, und noch mehr! Er hatte wohl aller Wahrscheinlichkeit nach nur oberflächlich die Abbildungen seiner Tafeln angesehen und sie darauf hin kurz citirt, ohne dabei, wie man aus p. 102 bei Hübner schliessen könnte, anzugeben, woher die Inschriften stammten, gewiss auch, ohne sich diesmal, was freilich so gewichtigen akademischen Gesetzen gegenüber(über S vgl. S. 22) nicht zu entschuldigen ist, um Weiteres zu kümmern. Daraus weiss dann Hübner so starke Waffen zu schmieden!

Zum Schluss füge ich noch bei, dass es mir nicht in den Sinn kommt, die Echtheit der Nenniger oder der Marcellus-Inschrift behaupten zu wollen. Dass aber die gemalten Nen. Inschriften, die nach dem Gutachten alle paläographischen Eigenthümlichkeiten mit der Steinschrift gemein haben, echt seien, halte ich, nachdem ein in allen Fragen der Technik so erfahrener Alterthums- forscher wie v. Cohausen es für unmöglich erklärt hat, dass die charakteristischen Kalk- ablagerungen auf den Nenniger Buchstaben gefälscht seien, für sehr wahrscheinlich, auch angesichts der anderen, epigraphischen,Unmöglich,Nie undAuspnahmsloss.