Aufsatz 
Die Realschule in Höchst a.M. von 1817-1884 / von Philipp Hafner
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geben werden könne, daß auch weniger bemittelte Schüler ſie beſuchen könnten, indem etwa ein Lehrer an dieſer Schule aus öffentlichen Mit⸗ teln ganz oder teilweiſe beſoldet werde. Zur Durchführung dieſes Planes erklärte ſich die Landes⸗Regierung im März 1840 bereit, einen Zuſchuß von 150 fl. für die Eichhoffſche Anſtalt aus der Landesſteuer⸗ kaſſe auf Widerruf zu bewilligen. Für Oſtern 1841 wurde nun für den Unterricht in den Realfächern die Berufung eines Lehrers in Ausſicht genommen, für den ein Gehalt von 300 fl. feſtgeſetzt wurde, und zwar 150 fl. aus der Landesſteuerkaſſe, 120 fl. aus der Stadtkaſſe, 30 fl. vom Kandidaten Eichhoff, der auch für allen Unterricht außer dem in den neueren Sprachen und Realien aufzukommen und für Lokal, Feuerung uſw. zu ſorgen hatte; dafür wurde ihm die Erhebung des auf 20 fl. fixierten Schulgeldes überlaſſen. Aber erſt ein Jahr ſpäter, Oſtern 1842, konnte die neue Einrichtung durchgeführt werden, indem der Kan⸗ didat Wilh. Becker als proviſoriſcher Reallehrer berufen und ihm ein Gehalt von 400 fl. bewilligt wurde, wozu die Stadtkaſſe einen Zu⸗ ſchuß von 220 fl. zu leiſten hatte.

Am 18. April 1842 trat die in Verbindung mit der Eichhoffſchen Privatanſtalt ſtehende Realklaſſe mit 15 Schülern in der Weiſe ins Leben, daß die Schüler im Schreiben, Zeichnen, Geſang und einigen Stunden Rechnen von den Lehrern des Privatinſtituts unterrichtet wurden, während der Reallehrer Becker, der als öffentlicher Lehrer angeſehen wurde, die Sprachen und Realien lehrte.

Unter Beckers Leitung nahm die Realklaſſe einen guten Fort⸗ gang; doch war das Lokal in der Eichhoffſchen Wohnung durchaus un⸗ genügend, da die Privatſchüler Eichhoffs durch das der Realſchule ein⸗ geräumte Zimmer ihren Weg zu und aus ihrem Lehrzimmer nehmen mußten. Die ganze Einrichtung konnte nur als ein Notbehelf mit proviſoriſchem Charakter angeſehen werden; und ſo ordnete die Landes⸗ Regierung denn auch ſchon durch Verfügung vom 19. November 1842 an, daß von Oſtern 1843 an die bisher mit dem Privatinſtitut des Kandidaten Eichhoff verbundene Realſchule von demſelben zu trennen ſei. Ein Lokal für die Schule wurde in dem eben von der Stadt er⸗ worbenen Rathaus(vormals Gaſthauszum Roß) ermittelt; es be⸗ ſtand aber zunächſt nur aus einem Zimmer ebener Erde; ſpäter im erſten Stock. Die Ausſtattung der neuen Schule kann man ſich nicht einfach genug denken. Bänke und Tiſche mußte ſich der Reallehrer zum Teil ſelbſt mieten, da die Subſellien erſt im Herbſt 1843 fertig wurden. Die Hilfsmittel zum Unterricht waren außerordentlich beſchränkt; ſie beſtanden aus einigen geographiſchen Karten, 100 Exemplaren Minera⸗ lien und einigen Handbüchern zum Gebrauche des Lehrers. Das Schul⸗ geld wurde auf 10 fl. jährlich, das Eintrittsgeld auf 2 fl. feſtgeſetzt.