Aufsatz 
Über die Zeitbestimmungen in Plato's Gorgias / Wilhelm Münscher
Entstehung
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d. c. 37 und 519 a. c. 34. Denn da Allkibiades spätestens Ol. 82, 3 oder vor Chr. 450 gebo- ren ist und schon vor 432, in welches Jahr die Schlacht bei Potidäa fällt, die Verbindung des Sokrates mit Alkibiades begann, nachher aber, als Alkibiades dem Staatswesen sich ganz wid- mete, lockerer wurde und sich bald völlig auflöste, so konnte Plato wohl im Jahr 427, aber gewiss nicht im J. 405 den Sokrates von dem Alkibiades als von seinem Liebling sprechen lassen. Er würde sonst auch eben das, was Xenophon zur Vertheidigung des Sokrates gegen den auf dessen Verbindung mit Alkibiades und Kritias gegründeten Vorwurk beibringt ¹), selbst zu nichte gemacht haben.

Auch die Weissagung über Alkibiades, welche in lunserm Dialog mit Rücksicht auf den weiteren Verlauf seines Lebens dem Sokrates in den Mund gelegt wird, ist keineswegs, wie Stallbaum will, ein Beweis für die von ihm vertheidigte Ansicht, sondern bestätigt vielmehr auf das Entschiedenste die entgegengesetzte Annahme. Denn wenn es Gorg. p. 519 a. c. 75. in einer Anrede an Kallikles heisst: Goν ½ Loœ&ν 1παη,νταιε deνυ, ειμ‿ἀφν, αoν εαμααο εraloou Aàuißdòν, öraν(l o.) aœl rd doxaia drolduo πας ols ixrisoxντo, oux alricu duτeννν τμνυ nauν dνα αœυς νυνανον, so musste diese Weissagung in dem Munde des Socrates lächerlich erscheinen, wenn das, was darin als noch zukünftig verkündigt wird, schon zu der Zeit, wo er redend eingeführt ist, wirklich alles geschehen war, wie dies im Jahr 405 der Fall sein würde. Es ist auch gar nicht nothwendig, dass Alkibiades zu der Zeit, wo dies Plato den Sokrates sprechen lässt, an der Staatsverwaltung entschieden Theil genommen habe, wie Stallbaum meint. Denn es genügte, dass Sokrates nur von Alkibiades wusste, er habe die Absicht, sich den Staatsgeschäften zu widmen, wie ja auch von Kallikles nur gesagt wird, dass er im Begriff sei, sich der Staatsverwaltung hinzugeben ²). Jene Absicht lag aber bei Alkibiades, wie sich nicht bloss aus dem im ersten Alkibiades dargestellten Gespräch, das vor 432 fällt, sondern auch aus dem, was über die Anlagen und Verhältnisse und die ganze Geistesrichtung des Alkibiades in seinem früheren Lebensalter herichtet wird, deutlch ergiebt, schon lange vor, ehe Alkibiades mit einem förmlichen Antrag vor dem Volke auftrat, was, soweit wir es nachweisen können, erst etwa ein Jahr vor dem Frieden des Nikias also vor 0l. 89, 3 v. Chr. 421 geschah. ³)

1) Vergl. Xenophont. Mem. Socr. I., 2, 16. 2) Vergl. Gorg. p. 515 a. c. 70.

3) Vergl. Böckh's Staatshunshaltung der Athener I. S. 431, wo nach die Stelle aus der Rede des Andokides gegen Alkibiades S. 116 als Beleg angeführt ist.