Aufsatz 
Eine Rede über Trennung und Zusammenhang der Schulen : nebst Anmerkungen
Entstehung
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ist kein Zweifel, dass unsere Fürsten immer mehr einen volksthümlichen und volks- freundlichen Sinn annehmen und im Geiste des Volks regieren werden, dessen Wille auch schon in früherer Zeit weit mehr Einfluss auf den Gang der Regierung gehabt hat als man gewöhnlich annimmt, das aber jetzt weit mehr als sonst seinen Willen auszu- sprechen und geltend zu machen vermag.

Anmerk. 2. Ein grosser Mangel unseres Volkslebens ist der Mangel wahrer Volksfeste, an denen alle Classen des Volkes Theil nehmen. Die allgemeinen Feste aller Deutschen, z. B. der 18. October, sind schon bald nach ihrer Einführung aus den meisten Ländern Deutschlands wieder verschwunden. Eine Wiederherstellung solcher vaterländischen Feste, mögen sie nun alle Deutsche oder die Genossen eines besonderen Volks oder auch eines einzelnen Orts angehen, wäre sehr wünschenswerth. Denn sie sind wichtige Beförderungsmittel der Gesittung und der Annäherung der verschiedenen Stände untereinander. Es müsste aber dabei zugleich religiöse Feier und heitere Ver- einigung des Volks im Freien mit Gesang-Uebungen verbunden Statt finden. Ein solches vaterländisches Fest könnte und sollte auch der Geburtstag des Landesfürsten sein. Der kirchlichen Feier, welche nicht fehlen dürfte, um den innigen Zusammenhang zwi- schen dem religiösen und dem bürgerlichen Leben dem Volke an das Herz zu legen, müsste eine Alle vereinigende fröhliche Feier an einem dazu eingerichteten Platz im Freien folgen und auch den Armen und Dürftigen im Volke müsste durch freiwilliges Zusammentreten der Wohlhabenderen an diesem Tage eine Freude bereitet werden. Neben diesen allgemeinen vaterländischen Festen sollte noch in jedem Sommer wenig- stens einmal ein Fest für die Schuljugend im Freien nach Art des Gregorius-Festes veranstaltet werden.

Anmerk. 3. So schöne Vermächtnisse aus der Zeit der Reformation als Sach- sen und Würtemberg, jenes durch seine Fürsten- oder Landesschulen, dieses durch seine Klosterschulen oder geistlichen Seminarien besitzt Anstalten, in denen sich eine auf Selbststudium vorzüglich gestützte gründliche Bildung und ein reger wissenschaftli- cher Eifer durch eine ehrenwerthe Tradition immer erhalten haben und die noch jetzt, den veredelten Erziehungs-Grundsätzen der neueren Zeit angepasst, als Zierden und treffliche Bildungsmittel jener Staaten anzuerkennen sind, hat zwar unser Hessen nicht erhalten. Denn der Vorschlag Philipps des Grossmüthigen, den er dem Adel machte, zwei Klöster in Unterrichtsanstalten für je fünfzig adlige Kinder(S. Rommel's Ge-

schichte III. S. 377) umzuwandeln, wurde nicht angenommen. Aber dennoch findet jene 2*