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der Umſtellung verſetzter Verſe und es bedarf nicht der großen Muͤhe und Anſtrengung, welche freie poetiſche Productionen dem Schuͤler koſten muͤſſen. Will man aber bewirken, daß der Schuͤler den Geiſt der alten lateniſchen Dichter ſoweit in ſich aufnehme, um von innen heraus Gedichte in lateiniſcher Sprache hervorzubringen, dann ſetzt dieß ſchon eine nicht geringe Ausbildung der poetiſchen Anlage voraus. Nun hat zwar jeder Menſch wohl einige poetiſche Anlage. Aber ſie iſt in dem größeren Theil bei dem jetzigen Stand der Kultur ſo ſchwach, daß die Erweckung und Ausbildung derſelben ſehr ſchwer, oder bei Manchem vielleicht gar nicht zu Stande kommt. Indeſſen bei der Wichtigkeit, welche die Ausbildung des poetiſchen Sinnes fuͤr die edlere und fuͤr die ideelle Bildung des Menſchen uͤberhaupt hat, iſt es wohl der Muͤhe werth, ſelbſt bei allen Schuͤlern eines Gymnaſiums zu verſuchen, ob nicht die poetiſche Anlage geweckt werden kann. Jedoch, wenn es angemeſſen iſt, dieſen Verſuch in der Weiſe zu machen, welcher am wenigſten abſchreckend iſt und den meiſten Erfolg verſpricht, ſo duͤrfte es nicht raͤthlich ſein, mit der lateiniſchen Poeſie anzufangen. Denn die lateiniſche Poeſie ſetzt eben darum, weil unſere Sprechweiſe nach dem Accent mit der Quantitaͤt gar oft im Widerſtreit ſteht und in vielen Silben die Quantitaͤt wenigſtens nicht hoͤrbar werden laͤßt, weit groͤßere Schwierigkeiten entgegen, als in der Mutter⸗ ſprache oder ſelbſt in einer andern Sprache Statt finden koͤnnen und ſogar, wenn die Sprache der lateiniſchen Proſa dem Lernenden ſchon gelaͤufig geworden iſt, ſo wird er doch noch ſehr ſchwanken und unſicher ſein, ſobald es darauf ankommt, auch bekannte Worte in poetiſcher Rede anzuwenden. Mag er auch poetiſche Stellen unter Beobachtung der Proſodie und des Metrums ſich eingepraͤgt haben, ſo wird doch immer die Auffaſſung des proſaiſchen Ausdrucks und die Sprechweiſe der Proſa das Uebergewicht haben. Warum ſoll man aber den Schuͤlern, die mit den Uebungen in der proſaiſchen Darſtellung genug zu ſchaffen haben, noch die Qual auflegen, in lateiniſcher Sprache poetiſche Productionen zu verſuchen, in denen ſie vermittelſt Silbenzaͤhlens und durch Huͤlfe des Gradus ad Parnassum vielleicht das vorgeſchriebene Metrum zu Stande bringen, die aber, ſo lange die poetiſche Anlage noch nicht anderweitig geweckt iſt und durch die müͤhevolle Arbeit der freie Erguß der Empfindung gehemmt wird, nichts anders als eine mit einigen poetiſchen Floskeln geſpickte Proſa darbieten werden? So wird trotz aller aufgewendeten Muͤhe und Zeit die poetiſche Anlage nicht geweckt, nur etwa das Aeuſſere der alten Poeſie eingeuͤbt. Aber, weil die Verſuche wenig Frucht bringen und hinter den Muſterbildern der Alten allzuweit zuruͤckbleiben, ſo wird auch bei dem groͤßten Theil der Schuͤler die Luſt zu dieſer Art der Thaͤtigkeit bald abſterben. Auſſerdem iſt nicht zu laͤugnen, daß die poetiſche Literatur der alten Roͤmer, beſonders derjenige Kreis von Schriftſtellern, welcher zur Lectuͤre auf Schulen vorzugsweiſe beſtimmt iſt, wenige Stuͤcke liefert, die ein Muſter der poetiſchen Nachbildung


