Aufsatz 
Vom Werden, Wirken und Wesen der Musterschule. Festgabe zum einhundertfünfundzwanzigjährigen Jubiläum 1803-1928 / hrsg. von Peter Müller
Entstehung
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Stettin, Hamburg in Verbindung. Bei wieder anderen war die verschiedene Lage der Ferien der Hinderungsgrund. Zu dem kann man verstehen, dah fürsolchen Austausch eine

Einstimmigkeit im Kollegium vorhanden sein

muß, zu der sich in England wie auch wohl in Deutschland leider noch nicht alle Kollegen durchringen konnten. So standen denn nur einige Familien der Manchester Grammar School für dieses Jahr zur Verfügung, der- selben Schule, mit der die Musterschule schon vor dem Krieg drei- oder viermal Schöüler ausgetauscht hat. Die übrigen mußten in London untergebracht werden. Dies gelang

Begrüßung der Gruppe durch englische Freunde bei der Ankunft in London(Aus demEvening Standardv. 19. 9. 27.) durch die bereitwillige Unterstützung des

Internationalen Hospitality Committees, das der Society of Friends, d. h. den Quäkern, angegliedert ist. Durch ihre Vermittlung landen alle Oberprimaner bei einfachen, aber gebildeten englischen Familien für die Dauer ihres Aufent- haltes Unterkunſt. Daß manche Schüler es in Bezug auf Verpflegung und Behaglichkeit besser

fraſen als ihre Kameraden, ließ sich nicht vermeiden.

Alle Schwierigkeiten, z. B. in Bezug auf den Sammelpah und die Visa, wurden durch die Liebens- würdigkeit des hiesigen englischen Vizekonsuls und seiner Beamten leicht aus dem Wege ge- räumt; ebenso zeigten sowohl englische wie belgische Eisenbahnbehörden die größte Bereitwillig- keit zu helfen, was wir den deutschen Eisenbahnbehörden leider nicht nachrühmen können. Trot Vorbestellung waren in Frankfurt keine Plätze reserviert, während in Belgien und England nicht nur die Wagen bereit gehalten wurden, sondern darüber hinaus besondere Beamte beauftragt waren, sich der Reisegesellschaft anzunehmen und dies auch in vollendet höflicher Weise faten. Ja, auf der Rückfahrt erschien sogar morgens früh um 5 Uhr in Köln ein Beamter der eng- lischen Südbahn, die in Köln eine Vertretung hat, um uns in Deutschland noch zu hellen und sich

zu erkundigen, wie wir mit ihren Anordnungen zufrieden gewesen wären.

Am 17. 9. 27 abends 6.30 Uhr fuühren wir von Frankfurt ab, stiegen in Köln in den Schnell- zug, in Ostende auf den Dampfer und kamen mit geringer Verspätung um 4.30 Uhr Sonntag Nachmittag auf dem Victoriabahnhof in London an. Dort wurden wir von zahlreichen englischen Freunden begrühßt, die die Schüler dann in ihre Quarfiere brachten. Für die erste Woche war ein eingehendes Programm zur Besichtigung der Hauptsehenswürdigkeiten der Riesenstadt vom Leiter ausgearbeitet und jedem Teilnehmer, sowie einigen englischen Freunden in die Hand gegeben. Wi- frafen uns jeden Vormiftag um 10 Uhr an einer vorher verabredeten Stelle der Innenstadt und besichtigten dann gemeinsam die für den Tag vorgesehenen Gebäude, Galerien, Kirchen, Museen usw. Das Programm konnte für die erste Woche natürlich nur einen flüchfigen Uberblick bieten,

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