an den höheren Schulen Deutschlands. Was bei uns und anderen schon lange Brauch war, wurde bei der letzten Unterrichtsreſorm 1925 vom Ministerium aufgegriffen und zu einem wesentlichen Bestandteil der obligatorischen Unterweisung im naturwissenschaftlichen Unterricht erhoben. Auch vom Zeichenunterricht, der abweichend von den anderen Prankfurter Schulen bei uns von Anſang an eifrig befrieben wurde, sind wiederholt bedeufungsvolle Anregungen ausgegangen: so 1849 durch Karl Oppel, in sfärkstem Maße um 1900 dorch Wilhelm Freund und neuerdings wieder eindringlich und vielversprechend durch Heinrich Schäfer. Bahnbrechend aber vor allem war die Schule auf dem Gebief des neusprachlichen Unterrichts. Hier war Geheimreat Walter der unbe- striftene und weithin anerkannte Pührer, untferstützt von einer freuen Mitarbeiterschaft: von Ernst Pitschel, Wilhelm Dick, Gustav Sander und Paul Olbrich, letztere auch von sich aus über das früher schon Erreichte hinaus neue, Erſolg versprechende Wege beschreitend. Wer die Geschichte der Schule näher kennt, der weiß, dahß auch hier Fäden in die Vergangenheit zurückführen über Thévenot, Matthieu, Solomé, Duvillard und Duchafel bis zu de Servais, der 1805 den französischen Unterricht an der Musterschule erteilte. Was allmählich zum tragenden Strom im Leben unserer Schule geworden ist, die heute den Typ des neusprachlichen Gymnasiums darstellt, haf mithin seine Quellen bereits im Anſang des vorigen Jahrhunderts.
Kein Wunder, daß die Schule von jeher zahlreiche Besucher des In- und Auslandes in ihren Räumen sah, die entweder aus eigenem Antrieb oder in amilichem Auſtrage kamen. So war es schon unter Direktor Bagge und später besonders unter Geheimrat Walter der Fall, so hat es auch nach dem völkerverwirrenden Kriege allmählich wieder eingesetzt. Aber es waren weniger die Einrichtungen an sich als die hervorragenden an der Schule wirkenden Persönlichkeiten, die ihre Anziehungskraft ausübten. Auher den schon früher Genannten verdienen hier noch erwähnt zu werden: Fröbel, der später berühmt gewordene Begründer der Kindergärten; Diesterweg, der nachmals zu mahgebender Bedeutung gelangte Padagoge; Gruner, der leinsinnige Schüler Pesta- lozzis; ferner der alte Lützower Ackermann; der leidet viel zu früh verstorbene Bruckner, auf den die Lehrplanreform der Musterschule vom Jahre 1852 zurückgeht, und endlich, nicht um vollständig zu sein, sondern um die Reihe abzuschließen, die wissenschaftlich und methodisch ausgezeichneten Vertrefer ihrer Fachgebiete Georg Krebs, Heinrich Reichenbach, Paul Bode, OHio Rausenberger, Heinrich Hofmann, Heinrich Bernhard, Friedrich Gündel, Konrad Weidemann und der als Sänger hochbegabte Adoll Müller.
Bei dem Geist, aus dem die Schule begründet wurde, war es selbstverständlich, dah die Be- ziehungen zu dem Elternhaus von jeher besonders herzlich und sorgfältig gepflegt wurden. In der ökonomischen Deputation, die von 1805— 1872 bestand und mit viel gröheren Rechten ausgesftaffet war als heufe der Elternbeirat, hafte die Elternschaft eine geordnete Vertretung, der vor allem die Entscheidung in Gehalts- und Anstellungsfragen zustand. Das auf der freien Mit- arbeit der Eltern beruhende, selten getrübfe harmonische Verhältnis zwischen Schule und Haus ſand seine Ergänzung in der bewußt freieren und freundschaftlicheren Behandlung der Schüler, die die Musterschule frotz mancher Angrifſe ihren Löglingen stefs zufeil werden ließ, Bestrebungen, die in einer Art Schülerselbstverwaltung, um die sich namentlich Geheimrat Walter bemühte, schliehlich ihren organisatorischen Ausdruck ſanden.
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