—— die ungebeure Lebendigkeit und Frische
8 seines Unterrichts, die aus der hingebenden
Liebe zum werdenden Menschen stammte, legte Proſ. Freund die besten Grundlagen für die lette Neugestaltung des Zeichen- und Kunstunferrichts, die nach dem Welt- kriege einsetzte.
4 Der Weltkrieg entbrennt, höchste Be- 8ſ/ä. geisterung, Not, Elend und Tod gehen 4* Hand in Hand. Der Weltjammer wächst, der
N; 4 Mensch zweiſelt an Allem. Er ringt, sucht
4 d— und lindet sich zurück zu sich selbst. Seine
1* künsilerischen Schöplungen werden Nieder- 3— schlag in expressiver Form.
Nach dem Krieg erlaßt ihn der leiden-
schafiliche Drang, die zertrümmerte Welt
I cch wieder zu bauen, von Grund aus umzu-
gestalten. Vom Schicksal getroffen und
zur Selbstbesinnung gerufen, sieht er Men-
8 4 2 schen und Dinge wieder in ihrer letzten Wesenheit. Künstlerisch erschlieht sich eine neue Welt; die Kunst der Primitiven wird miterlebt; uraltfe, vergangene Weltreiche
Aus der Vorstellung gezeichnet von einem 14 jährigen. der Menschheit erscheinen in neuem Licht;
man erkennt die Parallele in der Entwicklung des einzelnen Menschen. Die aus kindlichem, naivem Scheflen und Erſeben entstehenden Kritzeleien und Spielerein wirken durch ihre unmittelbare innere Reinheit und Frische so stark, dah der Kunsflehrer in ihnen den Anſang aller wirklichen, schöpſerischen Arbeit erblickt. Mit gewaltigem Rudk drängen diese Dinge in die Schule. Die Aufgabe des Zeichen- und Kunstunferrichtes wird es, die schaffenden Kröäſte im Kinde zu wecken, zu entwickeln und zu führen.
Der Unterricht in den unteren Klassen betätigt sich im freien phantastischen Schaffen von Bild- werken, die die ganze innere Spannung des Kindes dokumentieren. Irgendwelche Hinweise und Hille des Lehrers sind zunächst nicht am Platze. Man will die restlos freie und unge- zwungene Schülerarbeit, die den Stempel der persönlichen Eigenart frägt und ein Stück erlebter Welt widerspiegelt. Es entstehen Bilder von Hexen, Rittern, Burgen und Märchen, vom Spiel und der Arbeit des Kindes, vom Elternhaus, von Weltreisen, eisigen Nordlandschaften und glühender Tropenerde, alle in der herrlichsten Pracht der Farben und der lebendigsten Sprache der Linien. All diese Bilder drücken das Wesen kindlichen Erſebens aus in Bewundern und Erstaunen vor einem Ungewissen und Unbekannten. Darum erscheinen sie so unwirklich-
wirklich, so erdenſern und sind doch nicht von der glühenden Liebe zum Diesseits zu frennen.
18


