Aufsatz 
Vom Werden, Wirken und Wesen der Musterschule. Festgabe zum einhundertfünfundzwanzigjährigen Jubiläum 1803-1928 / hrsg. von Peter Müller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

OBERSICHTUBER DIE ENTWICKLUNG DER ANSIALIVONDENANEFANGEN B1S ZUR GEGENWANI.

BESIAND AM 18. APRIL 1803.

Die alsNeue Bürgerschule am 18. April 1803 namentlich auf Betreiben des Stadischultheihen von Günderrode und des Konsistorialrates Senior DOr. Hufnagel gegründete Anstalt erhielt am 6. Oktober 1804 durch Verfügung des Senates den NamenMusterschule, weil sie als erste im Sinne Pestalozzis zu Frankfurt a. M. eingerichtete Schule den andern Schulen dos Beispiel! für die neue Lehrmethode bieten sollte.

Der Stundenplan stellte eine wesentliche Erweiterung des Lehrplanes der im Gegensatz zu dem altsprachlichen Gymnasium sogenanntenDeutschen Schulen dar. Neu weren besonders Natur- geschichte, Erdkunde, Zeichnen und Französisch, das im Laufe des ersten Jahres eingeführt wurde. Geometrie erscheint erstmalig in der Einladungsschriſt von 1806, ebenso Nafurſehre (Anfangsgründe der Physik); die BezeichnungPhysik ſindet sich mit Unterbrechungen von 1813 an; Chemie und Englisch fauchen bei der Neuordnung des Lehrplanes 1852 auf.

Somit ist die Musterschule die erste neusprachliche und realistische höhere Schule Frankfurts.

LEITER: Oberlehrer Friedrich Vertraugoft Klitscher. lhm ſolgte von 1805 1810 Dr. Gottlieb

Anton Gruner, der ein unmiftelbarer Schüler Pestalozzis war.

LEHRER: Johann Friedrich Köhlein, Johann Christian Diehl(beide zunächst im Nebenamte). Von 1805 1806 war auch Eriedrich Fröbel, der spätere bekannte Gründer von Kindergärten, Lehrer an der Musterschule; von 1813 1818 unterrichtete Dr. Adolf Diesterweg, der nachmals berühmt gewordene Padagoge, an der Anstalt.

SCHOLERZAHL: 7 Knaben und 2 Mädchen. Infolge des grohen Zuspruchs, den die Schule ſand, stieg die Zahl der Zöglinge bereits 1804 über 200.

DlE OKONOMISCHE DEPUTATION. Die Gründung und Weiterführung der Musterschule war eine Tal echten, freien Bürgersinns. Ohne den Stadtsäcke! zu belasten, trug die Schule sich selbst. Das Schulgeld betrug anfangs 11, dann 15, später 30, 50 und zuletzt 60 Gulden(7 Gulden 12 Mark]. Die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben lag in den Händen der ökonomischen Deputation, die 1805 gebildet wurde und sich von da an regelmöhig aus den Vötern der Musterschüler ergänzte. Die Anstellung der Lehrer und die Festsetzung der Gehäölter und Pensionen gehörte ebenfalls zu

ihren Zuständigkeiten. In wiederholten Kompetenzstreitigkeiten mit dem Konsistorium und dem Senat

3

hat die Deputation ihre Rechte geschickt zu wahren verstanden.