Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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gewonnen haben, beim Unterrichte ignoriren, hieße ſeine eigene Mutterſprache mis⸗ achten und abermals auswärts ſuchen, was man daheim viel ſchöner und beßer hat. Nicht ermitteln, wie unſre eigne Sprache allmaͤhlich ihre heutige Geſtalt ge⸗ wonnen und doch auf Herleitung der romaniſchen Sprachen aus der lateiniſchen dringen, hieße, in Widerſpruch mit ſich ſelbſt gerathen. Dies hieße bei uns zugleich

fauf die ältere vaterländiſche Litteraturgeſchichte ſo gut wie gänzlich Verzicht leiſten.

Auch die philoſophiſche in neuerer Zeit durch Becker vertretene Auffaßungs⸗ weiſe verdiente, wenn ſie ſich auf dem ſichern Boden der Erfahrung und Beobach⸗ tung hielte, gewis alle Beachtung, indem ſie darnach ſtrebt, die Einzelerſcheinungen, wie ſte in der Gegenwart ſich darbieten, in ein organiſches Ganzes zu vereinigen. Sie hat ſich wie es ſcheint eine noch größere Zahl Verehrer und Pfleger erworben, als jene, weil es anziehender und leichter iſt, zu conſtruiren, als mühſam zu unter⸗ ſuchen, wie das Gegenwärtige aus dem Vergangenen entſtanden.

Hier erhebt ſich nun die wichtige Frage für die Realgymnaſien, wo man mit dieſen Dingen zu beginnen habe, und wie weit hierin zu gehen ſey. Das letztere übergehend, weil es jetzt außer meinem Bereiche liegt, habe ich mich bloß mit dem erſteren zu beſchäftigen.

Daß man beim deutſchen Unterrichte in den untern Klaſſen nicht hiſtoriſch grammatiſch zu Werke gehen könne, darüber ſcheint eine allgemeine Uebereinſtim⸗ mung zu herrſchen, obwohl damit nicht behauptet ſeyn ſoll, daß auch dort ein ge⸗ ſchickter und wißenſchaftlich durchgebildeter Lehrer nicht gelegentlich auf die urſprüng⸗ lichen Formen und Bedeutungen einzelner Wörter hinweiſen und dabei gewis auf geſpannte Zuhoͤrer rechnen dürfe.

Die Becker'ſche Methode dagegen hat vielfach auch in dieſen Klaſſen Eingang gefunden und die Knaben wacker in Anſpruch genommen. Was in dem Haupt⸗ werke zu ſchwer war, iſt von Andern zum Theil verdünnt worden. Hat nun die Jugend in der That viel oder ſoviel damit gewonnen, als man nach der aufge⸗ wendeten Zeit erwarten durfte? Welcher Natur iſt dieſer Gewinn geweſen? Und wie hat er ſich in ſeinen ſpätern Folgen gezeigt?

Ich möchte hierbei mit einer Erfahrung beginnen, die man an Kindern alle Tage machen kann. Sie freuen ſich des Vogels, den ſie gezähmt, aber ſie zeigen kein Verlangen, ihn zu ſeciren und zu ſteletiren; ſie lauſchen ſeinem Geſange, aber