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Einleitung, Pentekontactie, sowie sämtliche Reden hinzugefügt, und dann hat ihn der Tod ereilt? lch kann mir nicht helfen, aber in dieser Anschauung von der Entstehung unseres Werkes ent- hält fast jeder Satz eine Ungereimtheit. So verfährt kein vernünftiger Mensch bei der Behandlung eines geschichtlichen Stoffes, geschweige denn ein grosser Geschichtschreiber.
5.
Was Cwiklinski zu jener Ansicht bestimmt hat, ist verständlich genug. Es ist vor allem die weitverbreitete Meinung, dass dem 5. und dem 8. Buche die endgiltige Ausarbeitung fehle. Dieser Anschauung hatte kurz vorher sogar Classen Ausdruck verliehen, indem er meinte, dass nicht alle Teile des Werkes die gleiche Durcharbeitung erfahren hätten, und zur Erklärung dieser Tatsache sich dahin aussprach, Thukydides habe bei der abschliessenden Redaktion zuerst das 1. Buch abgefasst, sodann der Geschichte des zehnjährigen Krieges und der des sizilischen Feldzuges die letzte Bearbeitung zu teil werden lassen, darauf zunächst die Zwischenperiode der sipivn 50b!oc dargestellt und dann erst die Erzählung des dekeleischen Krieges in Angriff genommen. ¹) So glaubte Classen die vermeintliche Beobachtung, dass die Geschichte des zehnjährigen Krieges, sowie die des sizilischen Feldzuges durch grössere Fülle und Abrundung der Erzählung sich von der Darstellung der Friedensperiode und der beiden letzten Jahre unterschieden, erklären zu können.
Man wird diese Auseinandersetzung Classens mit Verwunderung lesen, da er in ihr den Boden der von ihm sonst so eifrig verfochtenen Krügerschen Ansicht von der einheitlichen Redaktion unsres Geschichtswerkes ohne Zweifel verlässt; denn deren Wesen ist die Überzeugung, dass jenes nach 404 so sorgfältig überarbeitet ist, dass alle einzelnen Teile zu dem damals von Thukydides verfolgten einheitlichen Plan passen. Daher hat man denn auch Classen vorgeworfen, er habe mit seinen Bemerkungen über das 5. Buch seinen alten Standpunkt verlassen und die Ullrichsche Hypothese wenigstens im Prinzip als richtig anerkannt.²) Gegen diese Behauptung hat er sich sehr entschieden verwahrt ³), und es ist ihm allerdings gelungen, zu beweisen, dass er sich 1862 über die Entstehung des Geschichtswerkes in der Hauptsache ebenso ausgesprochen hatte wie 1875. Dennoch haben seine Gegner in der Sache insofern recht, als in jenen Vor- bemerkungen zum 5. Buche zum erstenmal eine innere Unklarheit seiner Ansicht zu Tage tritt, die im letzten Grund ebenfalls wieder von dem Mangel einer hinreichend klaren Fragestellung herrührt. Noch auffallender macht sich dies in dem Nachtrag zur Einleitung in der 1879 erschienenen 3. Auflage des l. Buches bemerklich. Ganz unbegreiflich ist es z. B., wenn dort Classen sagt, er habe sich im Wesentlichen immer zu derselben Anschauung bekannt, der Wilamowitz mit den Worten Ausdruck verleihe:„als Thukydides nach 404 zu der Erkenntnis kam, dass die drei Kriege, deren Geschichte er angefangen liegen hatte, der zehnjährige, sizilische und ionische zu dem einen peloponnesischen zusammengearbeitet werden müssten“. Denn dass Wilamowitz ein entschiedener Verfechter der Ullrichschen Hypothese in ihrer extremsten Form ist, das hätte Classen schon aus der Fussnote zu der von ihm angeführten Stelle entnehmen können.¹) Was für einen Eindruck musste es also auf die Gegner machen, wenn derselbe Mann die Ullrichsche Hypothese mit der grössten Entschiedenheit bekämpfte und zu gleicher Zeit einem der eifrigsten Vorkämpfer jener Hypothese uneingeschränkt zustimmte!
¹) Vorbemerkungen zum 5. Buch, 1875, S. 2 f.
²) Cwiklinski, Hermes XII S. 28 Anm. 1. Vollheim, Zur Entstehungsgeschichte des Thukydideischen Geschichtswerkes. Progr. Eisleben 1878 S. 17. A. Schöne, Bursians Jahresber. 1877 S. 847.
³) Thukydides B. I. 3. Aufl., S. C ff.
¹) Die Thukydideslegende. Hermes XII S. 337.


