V. Eine Doktordissertation über erzwungene Schwingungen weicher Fäden.
Oben wurde auf S. 5 bemerkt, dass die direkte Veranlassung dieser Studie das Erscheinen einer Dissertation war, welche 1881 der philosophischen Fakultät zu Würzburg vorgelegt wurde. Wenn man diese Arbeit, deren einzelne Abschnitte mehrfach nicht ganz klar gehalten sind, durch- liest, so kann man den Eindruck bekommen, als habe Herr Elsas alles bis dahin Geleistete weit hinter sich gelassen. Als Vorarbeiter sind nur Melde, Wüllner, Tyndall und Postula genannt, während von Duhamel, Bourget, Gripon, Valerius, Rayleigh etc. keine Rede ist.— Sehen wir
uns nun die Darstellung des Herrn Dr. Elsas etwas näher an, untersuchen wir vor allem, ob die
bisherige Lehre von den Resonanzschwingungen durch seine Dissertation bereichert bezw. wider- legt worden ist.
Der Ausdruck„erzwungene Schwingungen“ ist nach dem Früheren unter den Begriff der Reson anz zu verweisen, und es wäre erwünscht gewesen, wenn Herr Elsas eine scharfe Definition nach Rayleigh gegeben hätte, welcher ja gerade diese Begriffsbestimmung in seinen Entwicklungen fruchtbar gemacht hat. Damals war das englische Werk in Deutschland durch die Ubersetzung Neesens bekannter geworden.
Die geringe Anzahl von selbständigen Versuchen(S. 2), besonders von messenden Versuchen sagt uns schon im voraus, wie es mit der von Elsas hervorgehobenen„Würdigung“ der Melde- schen Untersuchungen bestellt ist. Ich glaube dem Verfasser gern, dass er seine Experimente nicht immer am„Stimmgabelapparat“ gemacht hat. Die komplizierten Erscheinungen(S. 3) an diesem rühren aber nicht von elastischen Nachwirkungen her(vergl. Postula, S. 38), vielmehr sieht jeder Kundige sofort ein, dass die Erschütterungen des ganzen Apparats durch die tönende Stimmgabel den Störenfried bilden.
Es ist auffällig, dass Herr Elsas die theoretische Entwicklung in den§§. 1—3 gab, ohne Rayleigh zu erwähnen. Zu Gunsten des Verfassers nehme ich an, dass er von der ausländischen Litteratur(Duhamel, Gripon, Bourget etc.) keine Kenntnis hatte; aber Rayleigh musste citiert werden, denn die Anklänge sind zu lebhaft. Auf S. 11 findet sich eine Schlussfolgerung, die fast wörtlich mit der deutschen Übersetzung(siehe oben S. 32) übereinstimmt.— Damit ist aber das Urteil über diesen Teil gesprochen: Er enthält nichts Neues. Die Entwicklungen auf S. 3, Lösung einer partiellen Differentialgleichung(S. 4), sind allbekannt.
Wer Duhamels feine mathematische Analyse studiert hat, sieht ein, dass Gl.(3) S. 7, welche dem ersten Gliede unserer Gl.(1) bezw.(15) entspricht, nicht die vollständige Lösung des Problems ist, wie S. 8 behauptet wird. Am elegantesten wäre die Entwicklung für Herrn Elsas ausge- fallen, wenn er die Ableitung des§. 2 sofort mit§. 1 verschmolzen hätte. Die andere Methode, erzwungene Fadenschwingungen theoretisch zu behandeln(§. 3), hätte sich Herr Elsas füglich sparen können. Auch enthält Gripons Abhandlung(S. 388) eine ausführliche Untersuchung über die Dämpfung der Resonanzschwingungen in verschiedenen Flüssigkeiten, wodurch gründlichere Resultate geliefert sind als durch die Bemerkung auf S. 16 der Dissertation.
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