Aufsatz 
Fauna der näheren Umgebung von Bingen : A, II: Amphibien und Fische
Entstehung
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FHaauna der nähern Umgegend von Bingen,.

voon Reallehrer Mührä. 41 d 1in(Fortſetzung)... or nn n. Wirbelthiere.(Vertebrata)) II. Abtheilung: Amphibien und Fiſche. I. Amphibien(Amphibia). 3 1 Gegen die beiden vorhergehenden Claſſen finden wir hier eine ſehr beſchränkte Zahl ſowohl von Gattungen, als auch von Arten, was ſich naturgemäß aus der geringeren Anzahl der Arten überhaupt erklärt und insbeſondere daraus, daß von dieſen 1500 Arten in Deutſchland nur 2730 vorkommen. Die Ordnung Testudinata(Schildkröten) iſt nicht vertreten. Sauria, Eidechſen.. iubd. ſ6: 819 Squamata, Schuppeneidechſen: E 1.), Lacerta agilis L., die gemeine oder flinke Eidechſe, häufig an ſonnigen Rainen in der ganzen Umgegend von Bingen. Die Varietät Lacerta rubra mit kupferrothem Rücken kömmt auch vor. 2) Lacerta viridis, die grüne Eidechſe, kommt auf der ſüdlichen Abdachung des Münſterer Kopfes und an den mit Burgen beſetzten Bergabhängen rheinabwärts vor, woher ſie unſerer zoologiſchen Sammlung in 2 Exemplaren geliefert wurde. 1 3) Anguis fragilis L., die Blindſchleiche oder Bruchſchlange, allenthalben in hieſiger Gegend gemein, in den Heſſeln und im Bingerwalde. n Ophidia, Schlangen. nndelur tn Eurystoma, Großmäuler: gun dr 41 4) Coluber laevis Merr., die glatte Natter; am Raine des Waldrandes auf der Chauſſee nach dem Rheinſteine fing ich dieſelbe mehrmals; auch wurde ſie mir aus dem Bingerwalde gebracht.) 2) Tropidonotus natrix L., die gemeine Natter oder Ringelnatter, ziemlich häufig an der geeigneten Orten des Bingerwaldes. Ein ſehr ſchönes, ausgewachſenes Exemplar traf ich im Sommer 1866 in einem von dem Wege nach dem Heiligkreuz herabführenden Graben unter dürrem Laube an. Ein anderes wurde mir am 4. Jult 1863 von Fräul. Marg. v. Boxoſini vom Forſthauſe bei Langenlonsheim lebend in einem Glaſe zugeſchickt. Die Vollkommenheit des Thieres ließ mich vermuthen, daß es ein dem Proceſſe des Eierablegens nahes Weibchen ſei, wehhalt ich es lebend aufbewahrte. Meine Vermuthung beſtätigte ſich, indem die Natter am 8. Juli Abends nach 7 Uhr bei meiner Rückkehr von einem Spaziergange bereits ein Ei abgelegt hatte. Ich brachte ſie alsbald in ein größeres Aquariumsglas, wo ſie das Eierlegen fortſetzte. In Zwiſchenräumen von 7, 10 und 15 Minuten wurde nun jedesmal ein Ei abgelegt, und bis Mitternacht war die Zahl der Eier bis zu 26 angewachſen, womit der Proceß zu Ende war. So oft ein Ei gelegt war, ſah man äußerlich, wie ein anderes nachrückte, und man konnte an der Zahl der Knäuel ſo ziemlich die Anzahl der zu legenden Eier vorausbeſtimmen. War das Ei zum Legen bereit, ſo machte das Thier eine kaum merkliche, ſeitliche Bewegung, verhielt ſich aber ſonſt ſo ruhig, daß ich das Ei ungeſtört herausnehmen konnte. Die anfängliche Corpulenz der Schlange ſchwand immer mehr, und es zeigten ſich auf dem Rücken und an den Seiten verſchiedene Hautfalten, jedoch lange nicht in dem Maße, wie man⸗ es nach einer Abſonderung von 26 Ciern, deren jedes 1 1 ¼ 1 lang und ½ ¼ breit war, hätte erwarten ſollen. Die Eier waren rein weiß, theils von der Geſtalt eines Cocons der Seidenraupe, theils von der eines Vogeleies mit einem ſpitzeren und einem ſtumpferen Ende, hatten eine häutige Einhüllung, waren ſtramm wie ein aufgeblaſe⸗ ner Gummiball anzufühlen und enthielten eine ziemlich waſſerhelle, ſchleimige Flüſſigkeit. In derſelben konnte man den nicht ganz linſengroßen Embryo von der Geſtalt eines Schneckenhauſes, etwa einer Planorbis, ganz deutlich wahrnehmen und unter der Lupe den Kopf und das Schwanzende unterſcheiden. Ich brachte die Eier in einen Blumentopf auf angefeuchteten Sand, bedeckte ſie mit einem Lappen und ſtellte ſie an die Luft, um vielleicht deren Entwickelung zu bewirken. Sie fingen aber anderen Tages ſchon an zu ſchrumpfen und verdarben bald. Die Natter ſelbſt war am andern Tage faſt wieder faltenlos und ganz munter, ohne daß ſie das Geringſte gefreſſen hatte. Mänſe verſchmähte ſie, allein Fröſche, die ich nun herbeiſchaffte, reizten ſehr bald ihren Appetit, und ſie wußte dieſel⸗ ben, ehe ſie es ſich verſahen, ſehr geſchickt an beiden Beinen zu faſſen, indem ſie den Kopf nach ihnen vorſchnellte; ſie würgte ihre Opfer nun, ſo groß ſie auch ſein mochten und trotz kläglichen Schreiens, wie ich es nie von einem Froſche hörte, in einigen Minuten lebend hinab. Sehr behaglich ſchien es ihr zu ſein, wenn ich ihr zuweilen Waſſer in das Glas goß; alsdann erfreuten mich ihre anmuthigen Bewegungen, die ſie ſchwimmend ausführte. Das Glas hatte oben einen nach außen umgebogenen Rand und war mit einem Flore zugebunden. Als ich einmal des Mor⸗ gens nach ihr ſehen wollte, war ſie nicht mehr im Glaſe, und ich glaubte, ſie ſei entflohen, konnte aber keine Oeff⸗ nung wahrnehmen, durch welche ihre Flucht bewerkſtelligt worden ſein ſollte; und als ich eben im Begriffe war, den Flor aufzubinden, fühlte ich ihren Körper unter dem umgebogenen Rande des Glaſes. Sie wählte ſich dieſes Verſteck noch öfter. Wenn ſie gereizt wurde, gab ſie einen unerträglichen Geruch von ſich, ähnlich dem ihrer weiß⸗