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ersten vier Jahren an grammatischer Sicherheit ungefähr dasfelbe erreicht werden soll wie vordem in den ersten fünf Jahren, und weder die Erwerbung eines ansehnlichen Wortschatzes noch die Praxis des Verständnisses(namentlich die des Homer in Sekunda)— die doch jetzt gerade mehr noch als früher auch auf den beiden niederen Stufen gefördert werden müssen— erheblich darunter leiden sollen, so ist die Vereinfachung des grammatischen Lehrstoffes unbedingt notwendig. Auf diese also glaubten wir zuvörderst unser Augenmerk richten zu müssen.
Zunächst handelte es sich um Verkürzung und Vereinfachung der Formenlehre. Es wurde also in einer Reihe von Konferenzen der Fachlehrer dieser Teil der Kochschen Grammatik durchberaten und alles gestrichen, was etwa entbehrlich schien. Im Verlaufe der Debatten machten sich so manche berechtigte Wünsche für Anderungen und Umstellungen geltend, dafs wir einsahen, daſs es mit dem blofsen Streichen nicht gethan sei. Wir hätten bei einer so gründlichen Umwandlung die Schülerexemplare der Kochschen Grammatik in einen so chaotischen Zustand versetzen müssen, daſs sie mehr ein Hindernis als ein Hilfsmittel des Unterrichts gewesen wäre und wir dann lieber ganz ohne Schulbuch unterrichtet hätten. So entstand der Gedanke, eine Umarbeitung des ersten Teils der Kochschen Formenlehre für unsre nächsten Schüler als Manuskript drucken zu lassen. Aber dadurch würde dem einzelnen Unter- Tertianer sein Exemplar sehr teuer geworden sein. Auch schien es uns wünschenswert, dals anderen Gymnasien diese Verkürzung zur Kunde küme. Ich machte daher den Vorschlag, die von mir versprochenen„Bemerkungen zu Horaz“ für dies Jahr zurückzustellen und statt der- selben diese Umarbeitung als Programm-Abhandlung erscheinen zu lassen. Hiemit war beides erreicht, sowohl unsre nächstbeteiligten Schüler kostenfrei zu halten als zur Lösung der ganzen Frage unserseits einen bescheidenen Beitrag zu liefern, ohne doch ein neues verkäufliches Schulkompendium herauszugeben. Denn wir betrachten das hier Gegebene nur als einen Ver- such, dessen praktische Erfolge wir einige Jahre beobachten wollen, um zu sehen, was daran noch vermifst wird, und dann zu entscheiden, ob wir eins der vermutlich inzwischen erschienenen Kompendien annehmen oder selbst ein neues ausarbeiten wollen. Wir gedenken im nächsten Osterprogramm(falls unsre Patronatsbehörde es erlaubt) den zweiten Teil der Formenlehre(für Ober-Tertia) in derselben Weise folgen zu lassen. Der Herr Verfasser und der Herr Verleger haben sich mit diesem halböffentlichen Erscheinen unsrer Umarbeitung einverstanden erklärt.
Teilnehmer an den unter Vorsitz des Unterzeichneten beratenden Konferenzen, aus welchen diese Arbeit hervorgegangen ist, waren sämtliche Lehrer, die an unsrer Schule mit der griechischen Grammatik zu thun haben, nämlich die Herren Dr. Trieber und Dr. Reufs(in Quarta), Dr. Trommershausen und Dr. Römer(in Unter-Tertia), Dr. Cuers und Oberl. Dr. Berch(in Ober-Tertia), Dr. Wirth und Oberl. Gillhausen(in Unter-Sekunda), Oberl. Dr. Reinhardt(in Ober-Sekunda und Unter-Prima). Die Ausarbeitung dieses Teils übernahm Herr Dr. Trieber, die des folgenden Herr Dr. Römer. Ich kann am Schlufs dieser Zeilen nicht umhin, den genannten Herren für die aufopfernde Hingabe, die sie dieser mühsamen Arbeit gewidmet haben, im Namen unserer Anstalt herzlichen Dank zu sagen.
Frankfurt a. M. den 12. Pebruar 1883. Tycho Mommsen.


