Aufsatz 
Parerga Pindarica, quibus inter cetera continentur fragmenta, quaedam Cypriorum, Euripidis, Callimachi, Menaechmi Sicyonii e codd. Mss. restituta
Entstehung
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Im Lehrercollegium wurde ausser andern pädagogischen und didaktischen Fragen in diesem Jahr besonders der Late in-Unterricht besprochen, theils in den allgemeinen Conferenzen, theils unter den zahlreichen Lehrern dieses Faches. Nach einem von Herrn Gillhausen ausgearbeiteten Commissions-Bericht über eine genaue Vertheilung des grammatischen Unterrichts von Sexta bis Secunda erbat der Director noch von einem der bewährtesten Schulmänner Berlins, Herrn Prof. Dr. Fr. Hofmann, Director des Gymnasiums zum Grauen Kloster, ein Gutachten, welches, wie das demsel- ben beigegebene auf alle Einzelheiten eingehende des Herrn Prof. Dr. Otto Müll er, theils die An- sichten des Directors bestätigte, theils zu neuen Erwägungen Anlass gab. Für jetzt beschlossen wir nur, das Pensum der Untertertia auf die Casuslehre zu beschränken, und wer- den, namentlich über ein mehr als die Ellendt-Seyffert'sche Grammatik für die Unterclassen geeignetes Lehrbuch, so wie über die Vereinfachung und Beschränkung des grammatischen Unterrichts überhaupt, die Berathungen fortsetzen.

Der Director hat nicht nur die Theilung der Untersecunda, sondern auch die der Quinta und Sexta beantragt, und es ist zu hoffen, dass diese bedeutende Erweiterung des Gymnasiums so- fort, mit Ostern 1877, ins Leben tritt. Die Zahl der Classen betrug vor 13 Jahren acht, die der Schüler ungefähr 150; jetzt werden wir funfzehn fast vollständig getrennte Classen mit zusammen über 400 Schülern haben.

Für die besondere Bewilligung von Rm. 600 für Zeichenmodelle sprechen wir hierdurch den Hochlöblichen Behörden unsern Dank aus.

Am 30. Januar 1877 starb der hiesige Banquier Herr Isaac Königswarter, der durch viele wohlthätige Handlungen um seine Vaterstadt, insonderheit aber auch durch seine grossartige Stiftung(siehe Progr. von 1873, Seite 64 69) um unser Gymnasium und die davon ausgehenden Studirenden sich die grössten Verdienste erworben hat. Vielen, die den edlen Mann gekannt haben, kam sein Tod unerwartet und schmeralich, ihm selbst vielleicht am wenigsten, da er am Abend seines Lebens die schwersten häuslichen Leiden zu tragen gehabt hatte, die theuersten Häupter ihm voran- gegangen waren. Aber, wenn ein lieblicher Dichtermund aus alten Zeiten die Wahrheit redet, war er doch glückselig:»Reichthum ochne Edelmuth ist ein schädlicher Nachbar, die Mischung aus beiden der Gipfel der Seligkeit.« Denn er gab nicht nur reichlich und mit williger Hand wo es Noth war, sondern er nahm auch innigen Antheil an den Beschenkten. Wie unermüdlich aufmerksam und thätig er selbst an der Verwaltung seiner Stipendienstiftung in den ersten vier Jahren ihres Bestehens sich betheiligte, mit welcher Herzensgüte er sich bemühte jedem Bittsteller zu helfen, selbst wo die Statu- ten oder die Zahl der Gesuche dies erschwerten, das wird jedem, der in den Sitzungen der Admi- nistration zugegen gewesen ist, in unvergesslichem Andenken fortleben. Herr Bürgermeister Dr. Ber g gab dieser Dankbarkeit am Sarge des Verewigten am 2. Februar 1877 einen ebenso warmen als be- redten Ausdruck. Friede seiner Asche.

Wir gedenken auch noch des am 18. August 1876 erfolgten Todes des Herrn Professor Dr. Karl Fresenius, Lehrers an der höheren Bürgerschule hierselbst, da er längere Zeit auch am Gym- nasium beschäftigt war. Bei grossem innerem Werthe, reichen und tiefen Kenntnissen, war er von fast kindlicher Bescheidenheit; die Erinnerung an den vorzüglichen Lehrer, den fein und vielseitig gebildeten liebenswürdigen Menschen wird bei seinen vielen Schülern und Freunden(ich glaube, er gehörte zu den wenigen Glücklichen, die keinen Feind haben) nicht verlöschen.