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Geschlechte eine Neigung zum Frevel, wie sie sich der Hellene nur aus gottverhängter Verblen- dung erklären kann', und S. 49 Nicht also erst eigne Schuld, die alte Urschuld seines Geschlechtes macht den Sterblichen der verblendenden Macht des Geschlechtsdämon zugäünglich.... in dem einzelnen nistet sich mit der Verübung des ersten Frevels die Neigung zum Bösen fest, in dem Ge- schlechte wurzelt mit der einen Urschuld die Neigung zum Bösen durch alle Mitglieder fest'. Um das Opfer in Aulis zu erklären, genügt ihm daher nicht die dvdpun der äusseren Umstände, auch nicht der Ehrgeiz des Agamemnon, sondern es eerfüllt ihn der Rachedämon der vüterlichen Unthat', es ist der über dem Geschlechte schwebende Rachegeist, der ihn zu der Opferung der Tochter in unheiligem Frevelmuthe verhärtet' S. 50 und 51. Die rαᷣeτοd 90 κεμανν, von welcher KAeschylos v. 224 spricht, ist der Urschuld(d. h. des Thyestesmahles) Verblendungswahnsinn' und Dronke findet in dem Ausdrucke eine Doppeldeutigkeit, welche dem Zuschauer bereits tiefe Ein- sicht in das sich eben entwickelnde Unheil des Geschlechtsfluches gewähren' soll. Auch der im übrigen ganz vortreffliche Aufsatz von Planck(über den Grundgedanken des Aesch. Agam. Ulm 1859) kommt auf S. 22 zu dem Ergebniss: Agamemnon muss entweder seiner Pflicht gegen das Heer ungetreu werden oder seine Tochter opfern. Damit erfasst ihn der Alastor; gereizt, verblendet durch diesen oder, was dasselbe ist, durch die im Hause wohnende, durch frühere Verbrechen erzeugte Ate, kommt er zu dem schrecklichen Entschluss, die Tochter zu opfern“. Dennoch hatte Naegelsbach ausdrücklich vor solcher Motivirung des Opfers in Aulis gewarnt, in qua re nullae sunt partes dlαοτοοσ S. 22.
Es wurden also die Grundlagen, worauf Naegelsbach die aeschyleische Trilogie mit vorsich- tiger Hand aufgebaut hatte, von den Späteren aufgegeben, weil man seine Fundamentalsätze nicht für tauglich hielt das Gebäude zu tragen. Seine Auffassung von der drn aber führte, indem man dieselbe zum eigentlichen Träger der Idee des Geschlechtsfluches erweiterte, zu einer wesentlichen Umgestaltung der ethischen und religiösen Vorstellungen des Aeschylos. Denn die Fortpflanzung einer ethischen Bethörung innerhalb des Geschlechtes und der bethörende Einfluss göttlicher Wesen auf die Nachkommen eines in Schuld verfallenen Vorfahren sind Momente, welche die Vostellungen von der sitt- lichen und religiösen Weltanschauung des Aeschylos sehr wesentlich umgestalten mussten. Ehe wir nun den Beweis antreten, dass Aeschylos unter dem Worte drn keineswegs eine sittlich bethörende Macht verstanden hat, ist es nothwendig, in einer summarischen Uebersicht die wichtigsten Untersuchungen über diesen Begriff seit Buttmann darzustellen. Diese Entwicklungsgeschichte eines Begriffes, welcher in der Ethik des Dichters vielleicht die erste Stelle einnimmt, darf ohne Zweifel bei allen Freunden der aeschyleischen Dichtkunst auf Theilnahme rechnen. b
Buttmann hat in seinem Lexilogus vom Jahre 1825 die Grundbedeutung richtig erkannt. Die Gesammtheit aller Stellen im Homer, wo das Verbum do und seine Ableitungen vorkommen, zeigt ihm, dass S. 223'neben dem allgemeinen Begriff von Unheil und Leiden ein Uebergang zu dem Nebenbegriff von eigner Schuld oder doch Verblendung unverkennbar ist’. Nachdem er einige Belegstellen angeführt hat, wiederholt er S. 224 Alle diese Stellen zeigen, dass die allge- meinen Begriffe verletzen, Unheil, die eigentliche Bedeutung sind'. Es war unseres Wissens zuerst Naegelsbach, welcher in seiner homerischen Theologie vom Jahre 1840 diese unzweifelhaft richtige Beobachtung Buttmanns wieder in Zweifel stellte und dadurch die ganze Untersuchung in Gefahr brachte auf Abwege zu gerathen. Hier heisst es auf S. 271 Vor allem ist das Wort dern sprachlich zu berücksichtigen und Buttmanns Irrthum zu beseitigen, als sei dessen Grundbedeutung Unglück und Schaden. Auszugehen ist vielmehr von der physisch-sinnlichen Bedeutung des Worts in II 805, wo es ganz offenbar Verwirrung des Bewusstseins, Störung des Normalzustandes der


