Aufsatz 
Zur Geschichte des Gymnasiums : 1. Beitrag
Entstehung
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Was zur Prankfurt in des Heiligen Römischen Reichs freyer Wahl- und Handel- stadt geschah, hatte immer, wenn es irgend von Bedeutung war, in hohem Grade den Reiz persönlichen Lebens und insofern etwas der Frische und Natürlichkeit der antiken Welt Verwandtes; in diesem kleinen Kreise, der doch unmittelbarer als andre ähnliche mit den grossen Ereignissen in Berührung stand, kam mehr als in umfangreicheren und moderneren Staaten die volle Wirkung des einzelnen Menschen zur Geltung, sei es zum Guten oder zum Schlimmen. Merkwürdig ist auch die Analogie mit der antiken Geschichte, dass, wenn man Kleines mit Grossem vergleichen darf, gerade wie in Rom und Athen die bewegtesten Zeiten die grössten Litteraturepochen gewesen sind, so auch das Geistesleben in dieser deutschen Stadt an den Tagen des Sturmes und Dranges seine besten Tage gehabt hat, während es in den ruhigen Perioden, die dem Schlendrian und der faulen Behaglichkeit die Thore öffnen, in Abnahme und Verfall gerathen ist. Doch ist hier wohl zu unterscheiden. Nur die grossen Erschütterungen sind es, die wohl- thätig wirken, die, wie ein Gewitter die Luft reinigt und die Erde erfrischt, für alle nährenden und zeugenden Atome des Geistes die Poren wieder eröffnen. Die kleinen häuslichen Zwiste dagegen, die Stürme im Glase Wasser, wirken nicht erweckend und fördernd, sondern zerstreuend und zerstörend auf das geistige Leben ein; der Partei- wuth namentlich, wenn sie auf geringe Objecte gerichtet war, erlagen von jeher die edleren Dinge gar leicht; da floss alles über von gegenseitigen Aufhetzereien, da walteten Lüge und Bosheit, die ganze Büchse der Pandora. Denn die binnendeutschen Kleinstaaten der neueren Zeit schützte nicht vor gänzlicher Erbärmlichkeit die Bethei- ligung an äusseren Kämpfen, bei denen das Leben auf dem Spiele stand; den Vene- tianern und Genuesen, den Römern und Athenern mochte viele Verirrung und Thorheit im Innern unschädlich vorübergehen, so lange sie noch zur See und im Felde selber die Waffen führten. Diese Einflüsse machen sich auch in der Geschichte unsres Gym- nasiums bemerkbar. In dem Zeitalter der Reformationskämpfe, während des 30 jährigen Krieges, unter den Stürmen der Napoleonischen Herrschaft hat es seine Glanzperioden; aber kurz nachdem 1525 die Zünfte sich erhoben, geht Micyll's Werk wieder zu Grunde; während des Fettmilch'schen Aufstandes ist es im ärgsten YVerfall und auch die inneren