Das Veilchen im Frühlingsmythus.
1.
Das Veilchen hat als Frühlingsverkünder einen innigen Zuſammenhang mit der Mythe. Nicht nur Jokaſte ¹), die„Veilchengeſchmückte“ in dem(Natur⸗, bzw.) Frühlingsmythus von Oedipus führt uns auf die mythiſche Bedeutung des Veilchens, ſondern auch Artemis 70xéaloa, was freilich die„Pfeilfrohe“ heißen kann, wahrſcheinlich aber urſprünglich nur die„Veilchenfrohe“ bedeutete(Oſterwald, Hom. Forſch. I, S. 114, Anm. 6). War nämlich, wie Jaep 1¹) durchblicken läßt, Oſterwald mehrfach an⸗ deutet, und Stoll ²) deutlich genug bezeichnet, die Oedipusſage ein Frühlingsmythus ⁵) wie die Odyſſeus⸗ ſage, die Argonautenſage und in weiblicher Sphäre die Demetermythe u. a., ſo heißt Jokaſte, die Mutter des Frühlingsgottes, bezeichnend genug die„Veilchengeſchmückte“ 4). Das 10x&ιοαη in der Bedeutung„Pfeilfrohe“ hat freilich gewöhnlich eine andere Quantität des ¹ als jenes 70x½ 6 10,)=„Veilchenfrohe“ haben müßte. Doch kommt bei Pindar(Pyth. II, 16 Tauchn., Böckh 9) das Wort in der erſten Bedeutung auch mit kurzem ¹ vor. Bedenkt man dann, daß Artemis ſich vielfach mit der Demeter und Perſephone berührt ⁵); wie Artemis⸗Koreſia= Demeter iſt; wie Hekate, urſprünglich nur ein Beiname der Artemis, mit Perſe⸗ phone zuſammenfällt; wie Iphigeneia(bei Heſiod eine nächtliche Hekate, ſonſt eine Frühlingsgöttin) mit Artemis übereinſtimmt(vgl. Preller, griech. Mythol. I, 194 f. und Dem. und Perſ. a. v. O.); wie nach den Stromata des Clemens und der Telegonie des Eugammon Odyſſeus ſeine Leiden in Epirus beendet, dort die Theſproterin Kallidike d. i. Perſephone(die Kora heißt auch Eurydike) heirathet, wodurch alſo Artemis gradezu in den Frühlingsmythus mit hereingezogen wird; wie 700169.νο½ ⁶) als Beiwort der Kypris erſcheint; wie dieſe aber nach den Kyprien gerade die Verfolgerin derer vor Troja iſt, alſo eine Unterweltsgöttin; wie auch die latiniſche Venus als Göttin des Getreides erſcheint: ſo muß es wohl geſtattet ſein, das Attribut der Artemis im Sinne der„Veilchenfrohen“ für älter zu halten als im Sinne der„Pfeilfrohen.“ Dazu kommt aber weiter, daß ſich beide 10- ſelbſt auf mythiſcher Baſis miſchen. Oſterwald hat gezeigt, wie ſich„*xα als Aepfel und Schafe, als als Ziege*) und Sturmwind (im Sanskrit. go= Kuh und Wolke), lorög als Maſt und Webebaum auf mythiſchem Grunde ſpalteten
Anmerk. Die Ziffern ¹), ²) u. ſ. f. beziehen ſich auf die nachſtehenden Anmerkungen.


