Aufsatz 
Bericht über die Jahrhundertfeier der Realschule der israelitischen Gemeinde Philanthropin zu Frankfurt a.M
Entstehung
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Die Festtage. a) Die akadem. Feier

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achtungswerte Leistung dieses Ausschusses, in erster Linie seines rührigen Vorsitzenden, besondere Anerkennung verdiente. Die pietätvoll hergerichtete Gedenkhalle, den Gründern und Förderern sowie den verstorbenen Lehrern der Schule gewidmet, schloss zugleich eine Ubersicht der wissenschaftlichen Leistungen der früheren und jetzigen Lehrer in sich. Neben den Dalberg, Günderrode, Hufnagel, Magister Klitscher, deren Namen auch bei der Gründung der Musterschule zu nennen waren, fanden sich da die Bildnisse von Geisenheimer und seinen Gefährten und von hervor- ragenden früheren Lehrern der Schule. Eine Sammlung der wissenschaftlichen Werke des vor Jahresfrist verstorbenen Oberlehrers Blum führte zu der geistigen Arbeit der z. T. noch heute tätigen Lehrer über. In der Mitte des Saales erweckten kulturgeschichtlich interessante Dokumente alte, teils erfreuliche, teils wehmütige Erinnerungen; so die Schülerliste von 1804, die Subskriptionsliste von 1814. endlich Zeugnisse(eines von 1823) und Lobkarten in reicher Fülle. Zahlreiche künstlerische und literarische Leistungen früherer Schüler bot der zweite Saal, über dessen Eingang das Bildnis des den Seinen und der Kunst in bester Manneskraft entrissenen Michael Bing, des Lieblings der Frankfurter gebildeten Kreise der 60 er und 70er Jahre, wehmutsvoll herabgrüsste. Hier traten uns bekannte Namen z. T. noch lebender Künstler entgegen, wie Baurat von Hoven, der Erbauer unseres Rathauses, der, in dankbarer Pietät selbst in verschiedenen Ausschüssen tätig, mit zum Gelingen des Festes beigetragen hat, ferner Max Schüler mit trefflichen Porträts bekannter Frankfurter, der kurz vor der Jahrhundertfeier einem tragischen Schicksale zum Opfer gefallene Hugo Elkan, sowie in einem Selbstporträt der ebenso als tüchtiger Künstler wie als Astronom hochgeschätzte Hermann Goldschmidt; dort fanden sich sodann Werke von Ludw. Braunfels, Ludw. Fulda, Ferd. Hiller, Alfred Friedmann, Karl Schwarzschild, dem Direktor der Göttinger Sternwarte u. a. In. Handarbeiten und Kunststickereien legten Probe ab für die Geschicklichkeit früherer Schülerinnen, wie Frau Dora Holland, während treffliche Arbeiten der Zeichenlehrer und lehrerinnen neben Zeichnungen und Handarbeiten der jetzigen Zöglinge, welche drei Zimmer füllten, ein Bild der Leistungen der Gegenwart darboten. Dem früheren Schüler Albert Gianini war ein besonderes Zimmer zur Ausstellung einiger hervor- ragender Gemälde, bes. Porträts, eingeräumt, während ein weiterer Raum eine Reihe vortrefflich ausgeführter physikalischer Zeichnungen von Schülern der Anstalt in sich vereinigte, die in dem Unterricht des Ausstellungsleiters angefertigt worden waren. Die ausserordentlich grosse Mühe in der Herbeischaffung und Anordnung der Ausstellungsobjekte fand in einem äusserst regen Besuche während der Fest- woche den reichlich verdienten Lohn.

So. vielversprechend eingeleitet, nahten die Jubiläumstage heran. Am Donnerstag den 14. April begann die akademische Feier pünklich um 10 Uhr Vormittags in dem grossen Saalbau-Saale vor einer aus allen Kreisen der Stadt, Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden, aller höheren Schulen u. S. W. bestehenden zahlreichen Versammlung. Auf dem Podium befanden sich die Mitglieder des Centralausschusses, an ihrer Spitze dessen Vorsitzender,