Aufsatz 
Shakespeare und Bacon. Darlegung und Würdigung der sogenannten Bacon-Theorie
Entstehung
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c. Zurückweisung Bacons auf Grund seines Stils.

In allen Fällen, wo es sich um den wissenschaſtlichen Nachweis der An- sprüche eines Autors auf ihm nicht mit Sicherheit zuzuschreibende Werke handelt, ist es die erste Pflicht der Forschung, Uebereinstimmung des Stils zwischen den sicheren und den zweifelhaften Teilen nachzuweisen. In dieser Hinsicht haben sich die Baconianer ihre Aufgabe besonders leicht gemacht, und zwar ohne Ausnahme von Miss Delia Bacon bis auf Erwin Bormann inclusive. Gewiss haben sie alle sich redlich bemüht, Parallelismen, d. h. wörtliche oder nach ihrer Auffassung sinngemässe Uebereinstimmungen in Bacons und Shakespeares Werken aufzusuchen und zusammenzustellen; besonders der jüngste Vertreter der Theorie hat dabei einen Spürsinn entwickelt, der ihn recht oft weit über das Ziel hinausschiessen lässt. Allein mit all diesem Aufwande von Findigkeit ist, wie in den Besprechungen des Bormannschen Buches mehrfach nachgewiesen wurde, durchaus nicht das Ge- ringste bewiesen; vielmehr liesse sich auf diesem Wege sogar ohne allzu grosse Anstrengung der Beweis für die Massenfabrikation aller zeitgenössischen Dichtungen durch den einen Bacon führen, den uns Vitzthum aus guten Gründen schuldig geblieben ist. ²⁰

Etwas ganz anderes aber, als was die Baconianer unternommen haben, ist die Vergleichung des so durchaus prosaischen Stiles Bacons mit demjenigen Shakespeares, die sich trotz der grossen Verschiedenheit von Poesie und Prosa bis zu einem gewissen Punkte durchführen lässt und auch durchgeführt worden ist. Allerdings ergiebt ein solcher Vergleich, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus unternommen, ein Resultat, das dem von den männlichen und weiblichen Advokaten Bacons erstrebten völlig entgegengesetzt ist. Der gewaltige Unter- schied in der Schreibweise der beiden grossen Stilisten erhellt schon in wesent- lichen Punkten aus den mehrfach angeführten Beobachtungen Kuno Fischers, der, ein äusserst feiner Beurteiler der einschlägigen Fragen, eben darum niemals in den Fehler der Baconianer verfallen konnte. In weiterem Umfange ist sodann, infolge der Behauptungen der Bacon-Theorie, die Untersuchung des Baconschen Stiles von verschiedenen Seiten aus vorgenommen worden, wohl am klarsten und ein- gehendsten, unter nachdrücklicher Hervorhebung seiner wesentlich prosaischen Schreibweise, von Hans Heussler in seinem Buche:Franz Bacon und seine geschichtliche Stellung(Breslau 1889). Derselben Frage ist ferner eine besondere Untersuchung gewidmet worden von Direktor Dr. Raeder im Programm des Realgymnasiums zu Grünberg in Schlesien. 1891.(s. a. Anm. 14) in unmittel- barem Anschlusse an die diesbezüglichen Ausführungen von Pott und Donnelly. Heussler hat in seiner von Bacon ausgehenden und für dessen Beurteilung be- stimmten Schrift? einen besonderen Abschnitt(Kap. VIII.‚Bacon und Shakespeare) der Gegenüberstellung desselben mit Shakespeare gewidmet. Dieses Kapitel ist für unsere Betrachtung an diesem Punkte wichtig genug, um Auszügen aus demselben einigen Raum zu gewähren. Nachdem Heussler die Beantwortung der Frageob der