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halten, einen hochstehenden Staatsmann, der wenige Jahre vor seinem Tode der Bestechlichkeit im Amte überführt, samtlicher Ehren und Wurden verlustig ging und nur der Gnade seines ihm zu Dank verpflichteten Fürsten den Erlass der über ihn verhäângten Freiheits- und hohen Geldstrafe verdankte““— einen solchen Mann für den Schöpfer von Werken voll erhabenster Poesie zu erklären, in denen bei jedem Anlasse die Mannesehre als das höchste aller Güter ge- priesen wird? Zwar tragen ja die Baconianer kein Bedenken, Shakespeare wie Bacon zu Betrügern zu stempeln; doch müssen sie ihren„Uebermenschen“ auch noch als Heuchler brandmarken, wenn sie die Ansicht vertreten, dass er es sei, der— um nur einen der vielen Aussprüche dieser Art zu nennen— den Herzog von Norfolk seinem Köônige auf dessen Verlangen, eine in des Herzogs Augen ehrlose Handlung zu begehen, erwidern lässt(Richard the Second I. 1.):
„Der reinste Schatz in diesem ird'schen Lauf, Mein teurer Fürst, ist unbefleckte Ehre,
Ohn’' die der Mensch bemalter Leim nur wäre;
Ein kühner Geist in reinem Busen ist
Ein Kleinod in zehnfach verschlossner Kist'.
Ehr' ist des Lebens einziger Gewinn;
Nehmt Ehre weg, so ist mein Leben hin.
Drum, teurer Fürst, lasst mich um Ehre werben, lch leb in ihr, und will für sie auch sterben.“
Selbst zugegeben, dass die Begriffe von Ehre nicht zu allen Zeiten die gleichen sind, sowie dass Bacons Jugend von solchen Verirrungen frei geblieben
Bestrebungen erfüllt, als dass solche von völlig entgegengesetzten Gesinnungen erfüllte Tiraden aus seiner Feder fliessen konnten.
Als Ergebnis unserer Betrachtung über Bacons Charakter ist somit Folgendes festzustellen: Der Verfasser der Shakespeareschen Dramen ist unstreitig eine aufs Ideale gerichtete Persönlichkeit gewesen; er hat, ohne mit seiner Person irgendwie hervorzutreten. überall in seinen Dichtungen seine edle und humane Gesinnung an erster Stelle zum Ausdruck gebracht, und ihr ver- danken seine Werke mit in erster Linie ihre mächtige Wirkung auf die Gemüter. Bacons Charakter ist nachweisbar in moralischer wie wissenschaftlicher Be- ziehung streng dem Realen und Praktischen zugewandt, und sein Wirken ver- dankt dieser Richtung in erster Linie seine Erfolge. Also ist Bacon, der prak- tische Realphilosoph, der kuhl denkende Staats mann, nicht der Verfasser der Shakespeares Namen tragenden Werke gewesen.


