Aufsatz 
Bericht über die Schillerfeier des Gymnasiums zu Neuss
Entstehung
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Gedichte angeführt, die dafür zeugen. Namentlich gibt ſich in dem ſchon erwähnten Gedichtedie Götter Griechenlands und noch deutlicher in denKünſtlern zu erkennen, wie mächtig ihn dieſer Geiſt des Alterthums ergriffen hatte. In beiden Gedichten, ſagt Gervinus mit Recht(Geſch. der deutſchen Dich⸗ tung, V p. 141), ſchloß ſich gleichſam die Blüthe dieſes Geiſtes auf, wie ſie denn in Form, Vers und Gedanken, das erſte mühſeliger, das andere ſchon ganz entſchieden, eine Veränderung ankündigen; ich möchte ſie im Kleinen Göthe's Iphigenie und Taſſo ziemlich ſcharf vergleichen, weil ſie die Metamorphoſe der Kunſt durch die Antike in beiden und das Verhältniß der umgeänderten Dichter zur Welt ſehr ähn⸗ lich ausſprechen. Von den Dramen liegt Don Karlos noch auf der Grenze und trägt daher auch noch deut. liche Spuren der verſchiedenen Entwickelungsperioden; dann aber entſtehen mit immer ſich ſteigernder Kraft und Meiſterſchaft des Dichters die Trilogie Wallenſtein, Maria Stuart, die Jungfrau von Orleans, die Brautvon NMeſſina und Wilhelm Tellz in der Braut von Meſſina iſt Schiller bekanntlich ſo weit gegangen, ſelbſt die Chöre der alten griechiſchen Dramen wieder einführen zu wollen, ein deutlicher Beweis, wie tief er von dem Werthe dieſer herrlichen Werke erfüllt war, und wenn auch der Verſuch im Ganzen als ein mißlungener angeſehen werden muß, ſo liegt doch die Schuld des Miß⸗ lingens weniger in der Sache, als in der damals noch mangelhaften Kenntniß der Tragödie überhaupt; jedenfalls aber hat gerade in dieſem Stücke die Diktion Schillers ihren höchſten Elanz und ihre ganze Pracht erreicht, ſo daß es in dieſer Beziehung als der Gipfelpunkt ſeiner Werke betrachtet werden muß.

Doch wozu dies Alles am heutigen Tage? Müſſen nicht heute die Wände dieſes Saales nur den Ruhm und nichts als den Ruhm des Dichters wiederhallen? Gewiß wünſche ich nicht, geehrte Zuhörer, einem Manne gegenüber, deſſen Name verknüpft iſt mit Allem, was die Menſchheit Schönes und Gutes kennt, in der Ertheilung des ihm gebührenden Lobes karg und zurückhaltend zu erſcheinen; aber ich wünſche auch, daß wir, daß namentlich die uns anvertraute Jugend nicht ſtehen bleibe bei dem bloßen Bewun. dern und Aaſtaunen ſeiner Größe; ich wünſche auch, daß die Anerkennung ſeiner Verdienſte wenigſtens mit einigem Nutzen verbunden ſei für die Studien, deren Pflege die Hauptaufgabe unſerer Schule iſt. Gewiß mit dem vollſten Rechte hallt heute das Lob des großen Dichters in allen Gauen unſeres Vater⸗ landes wieder; gewiß fühlt jeder Deutſche, daß es eine Ehrenſchuld ſei, ſeine unſterblichen Verdienſte dankbar anzuerkennen und im vollſten Maaße anzuerkennen; denn Schiller ehren, heißt ſich ſelbſt ehren, heißt ſein Vaterland eyren, heißt die ganze Menſchheit ehren.

Wie könnten wir ihn aber beſſer ehren, als wenn wir uns vornehmen, ihm nachzuſtreben in Allem, worin wir ihm nachſtreben können, als wenn wir uns durch ſein Beiſpiel ſowohl überhaupt zum Eifer für alles Gute und Edle, als auch zu dem Entſchluſſe angetrieben fühlen, die Studien mit aller Liebe zu umfaſſen, denen obzuliegen unſer Beruf iſt und denen Schiller einen ſo großen Theil ſeines Ruhmes verdankt? Deshalb wende ich mich vor Allem an euch, geliebte Schüler, die ihr gerade in dem Studium des klaſſiſchen Alterthums den Grund zu eurer Bildung legten ſollt; nehmt euch Schiller, der ſo recht ein Dichter der Jugend iſt, zu eurem Vorbilde; ahmet ihm nach in dem feſten edlen Muthe, womit er für die theuerſten Güter der Menſchheit geſtritten hat, ahmet ihm nach in der Ausdauer, womit er ſein Streben nach Vervollkommnung der ihm von Gott verliehenen Fähigkeiten verfolgte; ahmet ihm beſonders nach in dem glühenden Eifer, womit er, wenn auch erſt ſpät, doch um ſo angelegentlicher das Studium der Alten betrieben. Möge die Erkenntniß, was der große Dichter durch ſie geworden, die Ueberzeugung in euch befeſtigen, daß die klaſſiſchen Studien die beſte Grundlage ächter geiſtiger Bildung ſtets geweſen ſind und immer bleiben werden.

Ihnen aber, verehrte Anweſende, die Sie durch Ihre freundliche Theilnahme an dem Feſte, welches die Schule den Manen des vor 100 Jahren gebornen, geliebteſten Dichters unſerer Nation bereitet hat, Ihre Verehrung für Schiller bekunden, möchte ich zum Schluſſe die Worte zurufen, mit denen ein anderer Dichter dem deutſchen Volke die rechte Art der Verehrung des gefeierten Mannes ans Herz legen will.

Willſt zu Deines Sängers Preiſe, Deutſches Volk! Du Kränze winden, Mögeſt Du die rechte Weiſe

Dann mit edlem Sinn auch finden.