Aufsatz 
Bericht über die Schillerfeier des Gymnasiums zu Neuss
Entstehung
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Schiller-Frier des Gymnaſiums zu Neuß

am 10. November 1859.

A welchen Gründen und in welcher Weiſe höhere Lehranſtalten ſich an den Fefſtlichkeiten zu bethei⸗ ligen hätten, womit das ganze gebildete Deutſchland ſeinen Lieblingsdichter bei der Jubelfeier ſeiner Geburt zu ehren und zu verherrlichen ſich anſchickte: darüber konnte bei den Rheinpreußiſchen Gymnaſien kein Zweifel mehr obwalten, nachdem denſelben die Anſicht der vorgeſetzten Staatsbehörde in Betreff dieſes Punktes kund geworden. Es war dies durch ein Reſcript des Königlichen Provinzial⸗Schul⸗Collegiums geſchehen, welches, zunächſt, als Erwiederung auf eine diesfällige Vorſtellung, an das Comité füͤr die Schillerfeier in einer der größeren Rheiniſchen Städte unterm 19. Oktober gerichtet, gleichzeitig in Ab⸗ ſchrift den Direktionen ſämmtlicher Rheiniſchen Gymnaſien zur Kenntnißnahme zuging. Die Behörde erklärt hierin, daß es ihrerſeitseinem Bedenken nicht unterliegt, wenn an der dort beabſichtigten Feier des diesjährigen Geburtstags Schiller's auch das Gymnaſium, namentlich die oberen Klaſſen, durch Geſang und Recitation, ſowie durch Vorträge einzelner Lehrer ſich in würdiger und ein⸗ facher Weiſe thätig betheiligt, da es nur erfreulich ſein kann, wenn die Jugend ſich feſtlich an den Mann erinnert, welcher ſeinen Beruf, ſittlichen Ernſt und edleres Streben in die Geiſter zu pflanzen, in ſegensreicher Weiſe erfüllt hat Es ſei dies indeſſen dem freien Entſchluſſe der Anſtalt ſelbſt zu überlaſſen.

Am hieſigen Orte war anderweit ein Anlaß zu einer öffentlichen Feier dieſes Tages, woran das Gymnaſium ſich hätte betheiligen kͤnnen, nicht gegeben. Eine Feſtlichkeit, welche der Männergeſang⸗ Verein zur Verherrlichung des Tages veranſtaltete, war bloß für einen engeren Kreis berechnet, und überhaupt nicht in der Weiſe angelegt, daß dabei dem beſonderen Bedürfniſſe der Schuljugend ſich hätte entſprechen laſſen. Mit um ſo größerer Freude nahm daher das Lehrer⸗Collegium den vorſtehenden Erlaß der vorgeſetzten Behörde auf, indem dadurch einerſeits einer von ihm ſelber bereits gehegten Abſicht eine beſtimmte Richtung gegeben, andererſeits die Anſtalt in die Lage verſetzt wurde, ohne weiteres Bedenken, ihrem auf die Pflege des Geiſtes gerichteten Weſen entſprechend, für die hieſige Stadt auch der Mittel. punkt, gleichſam die Arena, zu werden, wo die Freunde und Förderer einer gediegenen Geiſtesbildung, im Vereine mit den zu gleichem Sinnen und Streben Heranzubildenden, einem Gegenſtande ihrer gemein⸗ ſamen Bewunderung und Verehrung ihre Huldigung darbringen könnten. Verehrern des Dichters und Freunden der Schule durfte die Anſtalt erwarten damit einen erwünſchten Genuß zu bereiten. Dem Schulfeſte aber in ſolcher Weiſe den Charakter der Oeffentlichkeit zu verleihen, entſchloß ſich das Lehrer. Collegium um ſo lieber, als überhaupt jedes derartige Vordieöffentlichkeittreten, jede bei geeigneter Gelegen⸗ heit eintretende Schauſtellung deſſen, was die Anſtalt Edles erſtrebt und was ſie ihre Zöglinge Gutes zu leiſten befähigt, in gleichem Maaße den Zöglingen zu einer Aufmunterung dient, wie der Anſtalt im Ganzen, durch die perſönliche Wechſelbeziehung, welche dabei zwiſchen der Schule und ihren Pflegern und Gönnern eintritt, zum Frommen gereicht. An einem Vorrathe fuͤr die Feier geeigneter Geſang und