Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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Die deutſchen Stadtſchulen und der Schulſtreit im Mittelalter.

Ein Beitrag zur Schulgeſchichte des Mittelalters ¹).

Motto:Wir verwahren uns feierlich, wenn man unſere Zeit, unſere Ideen, unſere Zuſtände aus dem Ge⸗ ſichtspunkte früherer Jahrhunderte beurtheilen will; eben ſo würden wir es ungerecht finden, wenn unſere Nach⸗ kommen über uns aburtheilen wollten nach Verhältniſſen und Zuſtänden, die erſt nach uns kommen, die wir alſo noch gar nicht kennen. Darum finde ich es unpaſſend, an die Zeit des Mittelalters den Maßſtab der gegenwärtigen zu legen ²).

Einleitung.

Die Pfarr⸗ und Küſterſchulen.

2. Kirche hat, eingedenk des ihr von ihrem Stifter gewordenen Auftrages, die Völker zu lehren, bei der Verkündigung der chriſtlichen Heilslehre gleich von Anfang an Sorge getragen, durch Gründung von Schulen, der Dom⸗, Kloſter⸗ und Stiftsſchulen, im ausſchließlichen Intereſſe des Volkes, welches bekehrt und unterrichtet werden ſollte, einen tüchtigen eingeborenen Klerus, einheimiſche Hirten und Lehrer der chriſtlichen Gemeinden zu bilden, die das gött⸗ liche Wort in der Mutterſprache beſſer als Fremdlinge zu predigen im Stande waren ³), und hat in denſelben Schulen auch allen denen, welche, ohne Geiſtliche werden zu wollen, nach höherer Bildung ſtrebten, ſelbſt den Armen, Gelegenheit zu zeitgemäßem Unterrichte nach Maß⸗ gabe des ihr überkommenen Wiſſensſchatzes gegeben ¹²).

1) Aus einer in Arbeit begriffenen Geſchichte des mittelalterlichen Schulweſens in Deutſchland.

2) Beyer, das Ciſtercienſer⸗Stift Alt⸗Zelle. Dresden 1855. S. X.

3) Pabſt Honorius III. ſagt in einem Breve v. J. 1218, worin er es den Biſchöfen und Gläubigen Deutſch⸗ lands, Polens und Schwedens zur Pflicht macht, den Biſchof Chriſtian in Preußen mit den nöthigen Mitteln zu unterſtützen: valde necessarium esse constat, scolas Prutenorum instituere puerorum; qui ad gentem suam Domino convertendam addiscant, efficacius duam advenae praedicare et evangelizare D. J. Chr.[Voigt, Cod. dipl. Pruss. I. 4& 12].

4) Hierher ſind zu rechnen der Erlaß Eugens II. v. J. 826[Mansii Coll. Conc. XIV, 1098.]; Alexander III. (1159 81); Innocenz III.(1198 1216); ein päpſtl. Dekretale v. J. 1179; ein Erlaß des 4. Laterankonzils v. J.

1413;3 Urbans IV. v: J. 1387 u. v. a. 1