Aufsatz 
Über die klassischen Studien auf Gymnasien vom christlichen Standpunkt
Entstehung
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Wahl der Schüler, die unter Anderem ihrer individuellen Geistesrichtung Rechnung e sollte, vielfach zu Motiven diente, die der Gymnasialzweck nicht anerkannte, eine die Sache fördernde Controle erschwerte oder ganz unmöglich machte, und den besonderen Zweck doch kaum erreichen! konnte, da der nöthige Grad von Selbstkenntniss und Selbstbeherrschung hier noch fehlt, das Wahlgebiet selbst durch den Schul- zweck beschränkt und mehr oder minder homogen sein konnte, und für gewisse geistige Richtungen gar keinen Anlehnpunkt bot. So wird diese Individualisirung des Unterrichtsstoffes in dem Gesammtinhalt der Gymnasialdisciplinen sachgemässer ihre Anwendung finden, soweit sie in dem Gymnasialbildungszwecke über- haupt zu beachten und zu fürdern ist. Die einzelnen Lesepensa sind bei der Uebersicht der öffentlichen

Lectionen beigegeben.

Eine Befreiung vom Griechischen katten in diesem Schuljahre 3 Schüler aus V, IV, II beansprucht und erhalten. Es bleibt im Interesse der Schule und der Schüler zu wünschen, dass solche Ausnahmefälle ganz verschwinden.

An dem facultativen Unterrichte im Hebräischen hatten sich im Sommer 18 Schüler aus Ober- und Unterprima und aus II betheiligt, und waren auch im Winter dabei geblieben, mit Ausnahme eines Ober- primaners, der im Herbste zur Universität entlassen wurde. Das Englische erlernten im Sommer 10 Schüler von VI bis I, im Winter 7, wobei sich die eine Abtheilung ganz auflöste.

Für solche Schüler der ö unteren Klassen, die zum selbstständigen Arbeiten durch Alter u. Bildungsgrad überhaupt noch nicht fühig waren, oder bei der Art Ihres vorangegangenen Unterrichtes in einzelnen Zweigen sich nicht helfen konnten, waren Arbeitstunden angeordnet, und zwar an den beiden schulfreien Nachmit- tagen je eine, worin, unter Leitung der beiden jüngsten Lehrer, die Knaben ihre zumeist schriftlichen Ar- beiten fertigten, wobei neben dem formellen Gewinne auch die häusliche Thätigkcit dieser jungen Schüler vermindert und ihre physische Entwicklung unterstützt wurde. Sie waren in 2 Abtheilungen gebracht, deren erste sämmtlich Octavaner waren, die zweite 16 Schüler von VI bis VII begriff. Der Erfolg war im Allgemeinen lohnend.

Bei der ausserordentlichen Schreibstunde, die zur selben Zeit wöchentlich 2mal gegeben wurde, und ersichtlich von Erfolg war, haben im Sommer 7, im Winter 9 Gymnasiasten von Kl. V I Theil genommen.

C. Aesthetische Bildung.

Für ästhetische Bildung kann an kleineren Gyumasialorten nicht viel geschehen; es wäre dies ein empfindlicher Nachtheil, wenn nicht die ästhet. Bildung in höherem Sinne das der sorgsamen Geistes- und Herzensbildung würe, uef in dem gefülligen Anstande und der Würde der äusseren Erscheinung sich nur die innere Güte und Schön- heit reflectirte. So sind also Schule und Kirche die Hauptfactoren zu dieser Bildungsseite, die, soweit dieses der Schulzweck leidet, unterstützt wird durch den häuslichen Verkehr der Gymnasiasten mit gebildeten Familien und dem Publikum in seinem gebildeten Theile, durch gemeinsame Theilnahme an Feierlichkeiten und Festen in Kirche, Schule und im socialen Leben. Dass in letzter Bezichung eigenthümlicher Verhältnisse wegen, die an kleinen Orten obwalten, für die Gymnasialjugend nicht mehr geschehen kann, bleibt zu bedauern. Eine Hauptsache bleibt übrigens auch hierbei immer der Lehrer selbst in seiner äusseren Erscheinung vor der Jugend.

Was die Bildung für Geschmack und Kunst im Besondern betrifft, so wird diese durch technische Hilfsmittel, durch Unterricht in Zeichnen, Musik und Gesang, durch Pflege des Schönheitsinnes in allen Mitteln und Formen des Unterrichtes, durch Kunstanschauung. soweit sie das Gymnasium vermitteln kann, mit Sorgfalt beachtet und gepflegt, und hat Gelegenheit sich zu zeigen und zu fördern in den Concerten und Schulfesten, die jährlich in regelmässiger Folge gehalten werden. Anerkennen müssen wir hierbei insbesondere auch die Bemühung des Gymnasialzcichnenlehrers Herrn Diefenbach, der zweimal in diesem Schuljahre kleine Ausstellungen von Oelgemälden, Skizzen und Kunststichen, zu- nüchst im Interesse der Gymnasi üler, im Schullocale veranstaltete und erläuterte.

D. Disciplin.

Die Disciplin, zunächst die Art und der Erfolg ihrer Handhabung und Führung am Gymnasium, ergibt sich aus dem Geiste seiner Schüler im Ganzen und Einzelnen, und taltet sich hierüber ein öffentliches Urtheil, das auch die Schule anerkennen muss. Bucht, Sitte und Ordnung bei ihren Schülern in allen Gestaltungen des jugendlichen Lebens zu fördern und zu erhalten, in und ausserhalb der Schulräume, lassen sich die Lehrer wenigstens eine ernste heilige Aufgabe sein, die bei so mancher Zerfahrenheit und Maass-

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